Home 1830 – Vorwort eines Buches in der Epoche “Biedermeier”

1830 – Vorwort eines Buches in der Epoche “Biedermeier”

Dr. Christian Friedrich Harless, seines Zeichens Königlich Preussischer Geheimer Hoher Rath, und öffentlich ordentlicher Lehrer an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität, Ritter des Kaiserlich Russischen Sankt Wladimir-Ordens IV. Klasse, Ehren-Mitglied der Universitäten zu Wilna, Cracau, und Lucca, und mehrerer Akademieen und gelehrten Gesellschaften in Deutschland, Frankreich, Italien, und Russland, verfasste 1830 das Buch: 

Die Verdienste der Frauen um Naturwissenschaft, Gesundheit- und Heilkunde, so wie auch um Länder- Völker- und Menschenkunde von der ältesten bis auf die neuste.
Ein Beitrag zur Geschichte geistiger Cultur, und der Natur- und Heilkunde insbesondere.

Die Biedermeierzeit war alles andere als lustig und die Bürgerrechte wurde in jeder nur denkbaren Art und Weise beschnitten und herunterreglementiert. Bürger wandten sich von der Politik vorsorglich ab, um nicht als Quertreiber und Majestätsbeleidiger, Staatsfeind oder noch Schlimmerem verleumdet oder verdächtigt zu werden.
Bürger bespitzelten – rein vorsorglich – ihre Nachbarn.
Ein falsches Wort, eine mehrdeutige Geste konnte dafür sorgen, dass die Büttel der “Gerechtigkeit” an die Haustür klopften.

Auf den Nenner gebracht: “Die Bürger buckelten sich als treue, ehrerbietige Untertanen durch diese schwere Zeit”.
Freiheiten, die sich in den wirren Zeiten der “Französischen Ordnung” für die bürgerlichen Stände ergeben hatten, wurden nach Napoleon Demissionierung schnellstmöglich aufgehoben und die Bürger wurden auf das “rechte Maß” zurück und zurechtgestutzt.

Den folgenden Text kann man nur richtig verstehen, wenn man sich diese Epoche vergegenwärtigt (es gibt aktuelle Beispiele, welche in Art und Ausführung durchaus mit der damaligen Zeit der “Restauration” vergleichbar wären). 

Um sein frauenfreundliches Buch unkompliziert und ohne anzuecken in der von starken Männern dominierten Welt auf den streng zensierten und behördlich überwachten Büchermarkt lancieren zu können, schrieb Harless Anno 1830, folgende Einleitung an die Gattin des Hessischen Kurfürsten:

IHRER  KÖNIGLICHEN  HOHEIT
DER  DURCHLAUCHTIGST  REGIERENDEN
KURFÜRSTIN   VON   HESSEN,
A U G U S T E,
Königlichen Prinzessin von Preussen,
IN  TIEFSTER  EHRFURCHT
GEWIDMET.

 

Harless war alles andere als dumm oder unterwürfig.  Er war kein  rebellierender Widerständler, der sich mit unruhigen  Studenten gleichmachte. Er war beruflich ziemlich erfolgreich. Er hatte dank seiner hohen Bildung einen guten Job, erlebte Wertschätzung und wollte nichts riskieren.  Er war oder gab sich also untertänig. Wie gewünscht erfüllte die von der guten Gesellschaft erwarteten Rituale um seine Vorhaben umzusetzen.
Er schrieb der hohen, Komplimente gewohnte,  Gattin seines Landesherren also schmeichelhafte Anreden, wie es  sich damals gehörte, heute allerdings vollkommen unsagbar wäre:

 

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