Omas Jahre

1872 – Gräuelthat aus Eifersucht

Aus dem Gerichtssaale vom 2. November 1872 Nach einem Original-Bericht aus Wien „Gräuelthat aus Eifersucht“ Einer jener erschütternden Vorfälle aus dem Leben, die sich aus dem wilden Aufflackern unbezähmbarer Leidenschaft ergeben, welche wieder ihren Ursprung in dem Gefühle vermeintlich oder wirklich erlittener Unbill hat, wurde heute im Gerichtssaals ausgetragen. Zwei Mädchen sind es, die eine unansehnlich. Die andere, einst schön, nun auf gräßliche Weise verstümmelt. Was in diesem dieser Schlußverhandlung zu Grunde liegendem Drama die nicht beneidenswerthe Hauptrolle spielen sollte. Emilie Zimmer, die trotz der furchtbaren Verstümmlung, welche ihr Gesicht durch den Racheakt ihrer...

Okt. 1860 – Englisches Heer besetzt Peking

Berichtet Ende Monat Oktober im Jahre 1860 aus zusammengesuchten Berichten „The Times“, London: Aus dem Hauptquartiere des englischen Heeres  vor Peking bringt die „Times” Briefe vom 26. und 27. Oktober und aus Peking selbst einen Brief vom 1. November. Die Einnahme der chinesischen Hauptstadt erfolgte ohne Blutvergießen und ohne Abfeuern einer einzigen Kanone. Sobald die Truppen der Verbündeten vor den Thoren standen, war es den Stabsoffizieren möglich, mit einer nur kleinen Eskorte durch die Straßen der Stadt zu wandern und Quartiere für die Gesandten auszusuchen, ohne irgendwie belästigt zu werden. Die Pracht und Herrlichkeit Pekings, von der wir in unseren Knabenjahren so viel in...

1861 – Verbrechen der Majestätsbeleidigung

Franz Kraft, ein Mann, der 22 Jahre beim Militär gedient hat. stand gestern unter der Anklage der Majestätsbeleidigung vor den Schranken. Die Ursache dieses Verbrechens ist. wie dies häufig vorkommt, übermäßiger Genuß geistiger Getränke. Obwohl der Angeklagte im Stande ist. eine bedeutende Quantität Branntwein zu vertragen, hat er dennoch am 28. Oktober 1860 seine Fähigkeit überschätzt und ist. wie die meisten der gegenwärtigen Zeugen aussagen, „stark besoffen“ gewesen. Zu diesem Zustande der Unzurechnungsfähigkeit, oder wenigstens einem derselben nahen Zustande, bat nun Franz Kraft von seiner Dienstzeit unter den Majestäten Kaiser Franz und Kaiser Ferdinand Anlaß genommen, die Person Sr...

1799 – Leichenschau (Leichenausgrabung, Exhumierung, Obduktion)

Hansi (75 J. aus NRW) blättert für uns in uralten Manuskripten. Diesmal fand er einen Bericht, der an eine frühe Existenz der Gerichtsmedizin erinnert (CSI Preußen?). Natürlich gab es auch damals hin und wieder den Verdacht, dass es in einem Todesfall nicht mit rechten Dingen zugegangen sein könnte. Wir denken heute, dass man seinerzeit machtlos gewesen wäre. Aber offenbar gab es Menschen mit fachlicher Ausbildung und Möglichkeiten einer Untersuchung, sogar Exhumierung, die ggf. Beweise für die Unschuld oder die Schuld eines Verdächtigen präsentieren konnten. Leichenausgraben, das, geschieht bey entstandenem Zweifel oder Streit, wo man vermuthet, daß die begrabene Person möchte...

1799 – Todesanzeige abgeben

Hansi (75 J. aus NRW) hat etwas in uralten Manuskripten gefunden, aus dem wir erkennen können, dass es seinerzeit bereits amtliche und überraschend modern anmutende Vorschriften gab, wie und wo man einen Todesfall anzuzeigen hatte: Leichenanzeige, Todesanzeige. Das Bekanntmachen oder Ansagen der Verstorbenen, muß, nach unsern Gesetzen, zuerst und hauptsächlich bey der Geistlichkeit des Orts oder Kirchspiels geschehen, wofür die Hinterbliebenen zu sorgen haben. Auf dem Lande geschieht dies ohne alle weitere Umstände. In Städten thut es die sogenannte Leichen- oder Todtenfrau. Sonst verrichtet in großen Städten der Leichen oder Todtenbitter mit dem Geschäft des Begräbnisses auch zu gleich das...

1862 – Maikäfersuppe

Vor einigen Tagen hörte ich etwas über Insekten und ihre Larven im Zusammenhang mit zukünftiger Nahrungsmittelherstellung. Dabei fiel auch der Begriff “Maikäfersuppe”. Ich machte mich also auf die Suche und fand im Google Books des Jahres 1862 einen ersten, interessanten Hinweis. 08.02.2023 – Eugenie  – – – – – – – – – – – – Maikäfer waren ehedem unter dem Namen „Scarabaeus stridulus“ in der Arzneikunde offizinell. Sie wurden in Honig eingemacht (Melolonthae conditae). Wurden ähnlich den Maiwürmern (Meloes majales)) gegen Wasserscheu angewendet. Sie wurden mit Vorsicht gereicht, da sie scharfe...

1895 – endlich feuersichere Stroh- und Rohrdächer

Im Kochbuch meiner Urgroßmutter Anneliese habe ich beim Blättern diesen vergilbten, herausgerissenen Artikel aus einer uralten Zeitschrift gefunden. Auf seiner Rückseite handelt es sich um Kochtipps der 1900ter Jahrhundertwende. Ricarda, Worms, den 05.02.2023 Feuersichere Strohdächer. In Hof, Garten, Feld und ländlicher Gegend gibt es bekanntlich keine Dachbedeckung, die an Billigkeit und malerischer Wirkung mit einem Stroh – oder Rohrdach wetteifern kann. Seine unbestreitbare Feuergefährlichkeit hat aber vielfach ein polizeiliches Verbot seiner Anwendung gezeitigt, so daß es trotz der Bemühungen der Vereine für Heimatschutz usw. mehr und mehr verschwindet. Da dürfte es interessieren...

1805 – Haushaltstipp aus Tagesblatt

Selma aus Penningberg (A) mailte uns diesen Beitrag einer steinalten Tageszeitung, durch den die einfache, gewöhnliche Bevölkerung im 19. Jahrhundert auf die Lösung eines Problems aufmerksam gemacht werden sollte, welches alljährlich in der winterlichen Speisekammer, dem eisigen Lagerraum im Schuppen oder in der Scheune auftrat.    Mittel wider das Zerspringen der irdenen Schmalztöpfe im Winter, durch den Frost. Es ist eine bekannte Sache, daß das Schmalz in wohlglasirten, irdenen Töpfen, oder in Töpfen von Steinguth, vorzüglich im Brunzlauer Geschirr viel länger, besser und geschmackvoller sich erhalte, als in den aus Kupfer, Zinn, verzinntem Blech oder von Holz verfertigten. Allein...