Omas Jahre

Eine große Kaffee-Gesellschaft um 1830

Auf jede Person rechnet man 3 Tassen von 1 Loth guten Kaffee, 1 Theelöffel voll Cichorien, einer kleinen Messerspitze gestoßenen Zimmet, gekocht.

Der Kaffee wird entweder in einer Maschine gekocht, oder durch einen Trichter filtrirt, wobei das Wasser in stetem Kochen bleiben muß, und sehr langsam durchgetrichtert und filtrirt wird. Zu diesem gut und schmackhaft zubereiteten Kaffee giebt man Sahne und Milch.

Der Kaffee wird entweder in einer Ecke des Zimmers, oder in einem Nebenzimmer eingeschenkt, und die gefüllten Tassen, nebst der Zuckerdose, einem kleinen Töpfchen mit Sahne, einem dergleichen mit Milch, auf einem Kaffeebrette der Gesellschaft präsentirt. Eine zweite Person reicht auf einem Präsentirteller kleine Prezeln und geschnittenen Kaffeekuchen herum.

Nach Verlauf einer Viertelstunde, während welcher die Tassen in heißem Wasser gespült und wieder abgetrocknet worden, wird zum zweiten Male eingeschenkt. Auf die größte Ordnung und Reinlichkeit ist hauptsächlich und vorzüglich dahin zu sehen, daß auf dem Kaffeebrette kein übergelaufener Kaffee oder Milch zu sehen ist.

Befiehlt kein Mitglied der Gesellschaft mehr Kaffee, so wird der Tisch abgenommen und nach Verlauf einer ganzen Stunde von neuem mit Biscuit, Napfkuchen, Makronen, Dragee’s und verschiedenen Obstsorten besetzt.
Im Herbste dürfen Weintrauben, Birnen und Aprikosen nicht fehlen.
Hierzu wird rother und weißer Wein gegeben.

Die gewöhnliche Zeit einer Kaffeegesellschaft ist von 4 bis 7 Uhr.

Aus der damals üblichen Frakturschrift buchstabengetreu übertragen.

Ich habe das Wort “Maschine” farblich markiert, um darauf aufmerksam zu machen, dass es schon in jenen weit zurückliegenden Jahren durchaus so etwas wie eine funktionierende Kaffeemaschine gegeben hat.
Ludwig van Beethoven fertige 1825 eine handschriftliche, recht ausführliche Notiz über die Funktion einer damaligen Kaffeemaschine an:
Link zum Artikel des Beethoven-Hauses in Bonn

Damit aber nicht genug. Ich hab’ da noch eine echte Überraschung für Euch:
Es gibt von solchen “Maschinen”, die Stefan Mayerhofer 1825 hergestellt hat, sogar auch Fotographien des Wiener Fotographen Wilhelm Gmeiner aus dem Jahre 1901.
Link zu “europeana collections” und deren Fotos


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