Omas Jahre

1862 – Die Wunder des Gewerbefleisses

Diesen Artikel stöberte Wilma für Euch in einem uralten Wochenblatt auf.
Die Leserschaft dieser Lektüre kannte sich mit den hier veröffentlichten Angaben und betrieblichen Eckwerten aus und konnte sie ins Verhältnis der Wirtschaftsleistungen der ihnen unterstellten Gewerbeeinheiten setzen.
Zugegeben, hier hatte ich einige Schwierigkeiten.
ABER, und das möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, interessant sind solche speziellen und sehr seltenen Angaben über die Produktionsleistungen und ihre Steigerungen aus der Zeit der Industrialisierung ganz sicher.

1862
Die Wunder des Gewerbefleisses.
Von  Frühauf. 

Bei der Stecknadelfabrikation vermögen 10 Arbeiter, welche einander in die Hände arbeiten, täglich 48,000 Stück zu fertigen. Kinder vermögen doppelt so viele Nadeln wegen ihrer feineren Finger zu spitzen, als Erwachsene. Wie verschieden die Geschicklichkeit der einzelnen Arbeiter ist, zeigt gerade die Nadelfabrikalion.
In den englischen Fabriken steigt der Lohn von 6 Pence bis zu 26 Schillingen an. Würde ein Arbeiter allein eine Nadel vom Anfang bi
s zu ihrer Vollendung arbeiten sollen, so würde er 20 Stück des Tages fertigen und nur 1/10 des sonst erreichbaren Lohns verdienen können.

Bei der Fabrikation von verzinnten Blechlöffeln geht der Löffel etwa durch 30 Hände, und die Billigkeit der Waare steigt bis zu 16 kr. das Dutzend herab.
Dreißig Menschen liefern täglich
bis 102 Dutzend solcher Löffel. So im badischien Schwarzwalde zu Schömbach.

Von ebensoviel Menschen werden nach Say in den Spielkartenfabriken täglich 15,500 Stück gefertigt.

Welch’ ungeheure Schnelligkeit in manchen Gewerbszweigen statthat, zeigen unter andern auch die nürnberger Spiel- und thüringer Küchenwaaren, sowie die zierlichen und wohlfeilen berchtegadener und grödener Holzschnitzarbeiten.

Eine nürnberger Spielwaarenschachtel mit 30 gemalten Figuren kostet 2 1/3 SGr.
Z
u Schramberg werden 1000 Schiefergriffel für 40 kr. oder 1 fl. verkauft, und 300 ungemalte Kindertrompeten kosten 1 fl. oder 30 kr.

Die rohe Baumwolle kann jetzt durch Maschinen in wenig Stunden zu einem fertigen Zeuge umgewandelt werden. Schon vor 30 Jahren wurde aus einem Maschinenwebstuhle ein Stück Baumwollenzeug von 720 Quadratzoll binnen einer Minute verfertigt.
In einer englischen Baumwollenspinnerei lieferten 750 Arbeiter mit einer Dampfmaschine von
100 Pferdekräften so viel wie 300,000 Handspinner: jeder Einzelne folglich wie 266.

Um 1850 setzte eine Dampfpferdekraft durchschnittlich 275 Spindeln in Bewegung, 1857: 305; ein Arbeiter leitete damals 500 — 1000, jetzt 1500 — 2000 Spindeln.
Baumwollengarn von Nr. 350 — in der Regel ist das Handgarn nicht
feiner als Nr. 18 — wird aus einem Pfunde rohen Stoffes zu einem Faden von 167 engl. Meilen gesponnen, und der Werth dadurch von 3 Schilling 8 Pfennige auf 25 Pfund Sterling erhöht.
Ja für die londoner Gewerbeausstellung von 1861 hat ein manchesterer Haus Garn spinnen lassen, wovon das Pfund 238 engl. Meilen lang war.

Zu den bewunderungswürdigsten Maschinen gehört im Münzwesen der Uhlhorn’sche Prägapparat. Er ersetzt gewissermaßen den menschlichen Geist.
Er wacht für den Arbeiter, wenn dieser bei seiner einförmigen Verrichtung, nur immer die rohen Platten in einen vor der Maschine befindlichen Trichter zu werfen,
eingeschlafen sein sollte, damit, wenn er in einem solchen Falle keine Platte aufgegeben, die Maschinen durch das leere Aufeinanderschlagen der Prägstempel nicht diese und sich selbst zerstöre, kuppelt sie sich von selbst aus, sobald keine Platten mehr vorhanden sind. Aber nur der arbeitende Theil der Maschine löst sich aus, das Schwungrad geht fort. Ebenso befindet sich ein Organismus in derselben, der aller Beschädigung vorbeugt, wenn etwa die geprägte Platte nicht weggeschoben wurde und eine neue darauf zu liegen kam, oder wenn die neu zugebrachte Platte zwar den Prägring leer findet, aber nicht ganz in dessen Oeffnung eintritt, folglich gequetscht wird.

Um Betrug unmöglich zu machen, zählt die Maschine in einem verschlossenen Gehäuse ihre Spiele und somit die Anzahl der geprägten Stücke. Trotz aller dieser Vorrichtungen ist sie so kompendiös, daß sie nur einen Grundraum von 2 Quadratmeter erfordert; und eine Thalermaschine ist im Stande, binnen 10 Stunden 24—25,000 Einthalerstücke tadellos zu prägen.

 


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