Omas Jahre

Eine artige Liebeserklärung im 19. Jahrhundert

19. Jahrh. – Urur-Opa offenbart seine Liebe

So in etwa könnte es sich zu Urur … Omas Zeiten im 19. Jahrhundert tatsächlich abgespielt haben.
Ich zitiere C. Harten, der um 1900 herum einen „Allerneusten Briefsteller für Liebes- und Heiratsangelegenheiten“ als treuen Ratgeber für alle Stände und Verhältnisse verfasste.

Das war nicht seine Erfindung, die sogenannten „Briefsteller“ gibt es bereits seit dem 18. Jahrhundert in hohen Auflagen und für die unterschiedlichsten Zwecke.
Eine Verwendung fand der Briefsteller natürlich im Minnedienst. Die private Post der Verwandten und Freunde untereinander – für die man nicht immer die treffenden, gefühlvollen Worte fand – eignete sich ebenfalls. Auch der umtriebige Geschäftsmann brauchte immer wieder Tipps für eine kluge, angenehme Ausdrucksweise. Man schrieb eben nicht so wirklich „frei weg von der Leber“, man legte schon großen Wert auf geschmeidigen Vortrag, insbesondere wenn man mit der Obrigkeit korrespondierte.
Die Waage zwischen schmieriger Unterwürfigkeit und angemessener Untertänigkeit sollte man schon zu wahren wissen und nicht jeder der Lesen und Schreiben konnte, konnte auch elegante formulierte Briefe versenden.

Schauen wir einmal was der gute Herr Harten aus den Bittsteller-Vorlagen seiner Zunftgenossen alles herausgefiltert und neu getextet hatte (ich zitiere wörtlich) und was Urur … Opa eventuell für geeignet erachtete, um das Herz der von ihm Angebeteten zu öffnen.

Ich wähle die Idee „Ein Soldat sucht Annäherung an ein Mädchen“, weil das 19. Jahrhundert ein durchaus kriegerisches Jahrhundert gewesen ist und Soldaten sich damals sicherlich sehr nach einem Zuhause und einer Liebsten sehnten. Bestimmt mehr als heute.

Unser Urur … Opa, hier beispielhaft als Soldat, fertigte also artig folgende Zeilen des Anhimmelns an seine Angebetete:

„Mein verehrtes Fräulein !
Bei dem Krämer, dem Bäcker und anderen Geschäftsleuten, bei denen ich Einkäufe für meinen Herrn zu machen habe, hatte ich oft das Glück, Sie zu treffen.
Ihre liebenswürdige Erscheinung zog meine Aufmerksamkeit auf Sie, und es freute mich stets, wenn ich einmal einige Worte mit Ihnen wechseln konnte.
Bald fand ich eine Neigung zu Ihnen in mir erwachen und wachsen, die nun unlöschbar geworden ist.
Mein Herz zwingt mich, Ihnen dies offen und unumwunden zu gestehen und Sie zu bitten, falls es Ihnen möglich sein sollte, meine Neigung zu erwidern, mir Gelegenheit zu geben, mit Ihnen bis zum herannahenden Ende meiner Dienstzeit noch öfter zu verkehren.
Ich bin Ordonanz beim Leutnant Herrn von Mussheim und gehe Michaelis in meine Heimat zurück, wo ich die Bewirtschaftung meines elterlichen Gutes übernehmen werde.
Indem ich noch erwähne, dass nur ehrliche Absichten mir die Feder zu diesem Schreiben in die Hand gedrückt haben und ich mir keines Schlechten bewußt bin, bitte ich um freundliche Entschuldigung meiner Kühnheit und um gütige Antwort.
Wie diese auch ausfallen möge, ich verbleibe in Hochachtung
Peter Paulsen
Infanterist im Regiment ….“

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