Omas Jahre

1802 – Vorrede zu “Magdeburgisches Kochbuch”

   Vorrede zu der gegenwärtigen neuen Ausgabe.

Seit dem Daseyn dieses mit so vielem — ja — mit so allgemeinem Beyfalle aufgenommenen Werks sind zwar sehr viele andre Kochbücher im Druck erschienen; aber keins derselben war vermögend, das gegenwärtige zu verdrängen.

Schon die allererste Ausgabe unsers Unterrichts in der Küche und Haushaltung etc. ist ja zu ihrer Zeit von erfahrnen Hausmüttern und Köchen ihres Beyfalles werth geachtet worden. Konnte derselbe nun wohl in der Folge einem Werke fehlen, dessen Innhalt, bey wiederholten Ausgaben, an Nützlichkeit und Brauchbarkeit mehr und mehr zugenommen hat?  Nein!  Dies Werk hat sich  bey vielen verehrungswürdigen Hausmüttern  in seinem Werthe nicht nur vest erhalten; sondern es ist vielmehr  mit so hoher Achtung beehrt  worden, daß es schon längst in vielen Familien seines Mutterlandes, und über dessen Grenzen hinaus,  als ein klassisches Haushaltungsbuch  angesehen wird.

Daß einige jener vielen Kochbücher aus der spekulativen Absicht gedruckt worden sind, dieses Buch verdrängen, oder ihm doch in den Meg treten zu sollen, läßt sich daraus schließen, daß ihnen der ursprüngliche Titel  unsers Unterrichts in der Küche  etc. fast gleichlautend beygelegt worden ist. Ja, es hat sich vorlängst die  Brücknersche Buchhandlung in Danzig  unterfangen, einem Buche ihres Verlags, das anfänglich den Titel:  Portefeuille der Kochkunst  erster Theil gehabt hatte, den vollständigen Titel unsers Unterrichts etc., beyzulegen, und diese beyden Theile ihres Buchs für einen 2ten und 3ten Theil unsers Werks auszugeben, um durch diese Verwandlung ihrem Portefeuille Abgang zu verschaffen. Dies auffallende Unternehmen, das solide Buchhändler schon vorlängst für Unrecht erkannt haben, wird jedermann mißbilligen.

Abb.1
Versuch einer Literatur und Geschichte der Nahrungsmittelkunde, Stendal 1810.
Autor Johann Herrmann Becker, Doctor der Arneimittelwissenschaft und
ausübender Arzt zu Parchim in Mecklenburg – Seite 236 Nr. 598

Abb. 2
Versuch einer Literatur und Geschichte der Nahrungsmittelkunde, Stendal 1810.
Autor: Johann Herrmann Becker, Doctor der Arneimittelwissenschaft und
ausübender Arzt zu Parchim in Mecklenburg – Seite 248 Nr. 654

Um nun bey diesen Umständen diejenigen Käuferinnen, welche sich unser Werk anschaffen wollen, vor dem Ankaufe eines unrechten zu sichern, haben wir allen 3 Bänden dieses Unterrichts für ein junges Frauenzimmer etc. noch den Neben-Titel:

Magdeburgisches Kochbuch
für angehende
Hausmütter, Haushälterinnen und Köchinnen
etc.

als einem  unverkennbaren Haupt-Titel  zur Seite gegeben, welches deshalb auch schon bey den vorigen neuern Ausgaben geschehen ist.

Die neue Ausgabe dieses  ersten Bandes  enthält nicht nur alle Regeln des vorigen Drucks; sondern es sind auch noch  über 60 neue, nützliche Regeln hinzugekommen. In den Abtheilungen ist einige Veränderung entstanden, und es sind deren nun 32.
Unter den neuen Regeln sind einige, welche bisher noch vermißt und zum Theil gewünscht worden sind, z. B. über das, der Gesundheit so sehr nachtheilige Kochen der  Speisen in kupfernen schlechtverzinnten Gefäßen,  und  vom Verzinnen  derselben,  vom zierlichen Anrichten  der Speisen, und  vom Transchiren  (s. 13.- 14. und 16. Abth.).
Zu der 25ten Abth. ist eine Anweisung zur Selbstverfertigung guter Stärke,
zu der 26ten Abth. die  Chaptalsche neue Methode,  ohne Seife und Feuerung zu waschen, und zu der 32sten Abth. sind mehrere  nützliche Hausmittel  hinzu gekommen. Alle übrigen Zusätze und Verbesserungen werden aufmerksame Leserinnen, bey Vergleichung des Buchs mit der vorigen Ausgabe, selbst entdecken.

Daß der Preis dieses ersten Bandes um einige Groschen hat erhöht werden müssen, kann bey der jetzigen  Theurung der Druckmaterialien  nicht auffallen, wenn auch jene erwähnten und hervorleuchtenden Vorzüge dieser Ausgabe vor der vorigen nicht in Betracht genommen werden sollten.

Der zweite Band, dessen wiederholte Ausgaben Beweise seiner guten Aufnahme sind, enthält 750 Regeln, und als Anhang eine gründliche  Anweisung zum Brodtbacken  etc. über welche sowohl hiesige Bäckermeister, als auch ein Recensent in der allgemeinen neuen deutschen Bibliothek die günstigsten Urtheile gefället haben.

Der dritte Band, welcher erst seit wenigen Jahren erschienen ist, und  schon die geschmeichelte günstige Aufnahme  gefunden hat,  enthält 750 Regeln und Vorschriften.  Nach seiner innern Einrichtung und der Reichhaltigkeit der Materien schließt sich derselbe eigentlich zunächst an den ersten Band an.
Er enthält, außer vielen  Regeln von Speisen, auch Vorschriften zu Backwerken, zum Einmachen der Früchte, zu Getränken, zum Waschen, zum Färben, und mehrere nützliche Hausregeln  etc. so wie auch, als Anhang, einen Unterricht in der  Zucht und Wartung des Federviehes und der Ziegen  etc., welcher bereits auch von einem ungenannten Recensenten in der A. D. Bibl. als sehr nützlich und brauchbar anempfohlen worden ist.

Beyde Anhänge dieser Bände sind auch einzeln in den Buchhandlungen zu bekommen und bey dem Verleger Creutz

Magdeburg
am 12ten März 1802

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