Omas Jahre

1825-1850 = Seife zu bereiten

Ihr habt ja schon über Johanna Schröder und aus ihrem Koch- und Wirthschaftsbuch berichtet.

Vor einigen Tagen war ich mit meiner Familie einkaufen und als ich vor einem Regal mit Reinlichkeitsmittel stand und aus dem reichlichen Sortiment eine Flüssigkeitsseife mit Pflegezusätzen und einer mir zusagenden Duftnote herausnahm, fiel mir ein, dass unsere Vorfahren, die kein Einkaufscenter im Orte hatten, sicherlich andere Schritte unternehmen mussten, um ihren Haushalt (oder den der Herrschaften) mit Seife und Waschmitteln zu versorgen. In erforderlichem Umfange und in der für die unterschiedlichen Zwecke geeignet.

Ich benötigte für eine befriedende Auswahl und die Beschaffung einer ausreichenden Menge nur ganz wenige Minuten (eher bewegte ich mich ehrlichweise im Sekundenbereich).

Meine Urur-Ahnen hätten mich sicherlich für hirngeschädigt erklärt, wenn ich ihnen hätte sagen können, dass dies die Zukunft sei und ihre damalige Gegenwart – aus unserer heutigen Sicht  – ein unvorstellbares Elend wäre.

Ich vermittle Euch hier ein Bild aus der Zeit von 1825 bis 1850 und zitiere aus der mir vorliegenden  Originalausgabe:

Seife zu bereiten

Seife ist eine Verbindung von Fett (Öl oder Talg) und Lauge; schmierige Öle und Pottaschenlauge geben weiche , – harte Öle, wie Talg und Soda- oder Natronlauge geben harte Seife.
Wenn man Pottaschenlauge mit harten Ölen oder Talg verbindet, wird so viel Kochsalz zugesetzt, daß dessen Säure mit der Pottasche sich sättigt und abscheidet und die Soda des Salzes an das Fett geht, wodurch dies ebenfalls eine Soda- oder Natronseife wird.
Wer alle Fettabfälle, Speckringen, Knochen, die man zerschlagen und durch Kochen das Fett davon gewonnen, im Jahre sammelt, wird sich daraus gute Seife bereiten können.

Dazu ist nöthig:
1) eine kleine Kufe aus weichem Holz, 9 Zoll Breite und Höhe, deren Boden unten ein Loch haben muß zum Ablassen der Lauge;
2) ein kupferner oder eiserner Kessel, doch ist auch ein irdener Topf anwendbar, die Seife darin zu sieden;
3) eine kleine Kiste ohne Deckel, 4 Zoll breit, 6 Zoll hoch (vortheilhaft ist’s, wenn man die Seitenwand abnehmen kann, um die fertige Seife dahineinzugießen);
4) ein Schaumlöffel, ein Spatel von weichem Holz und einige Schüsseln.

Um feste Seife zu bereiten, braucht man Talg oder Baumöl, gute Soda oder kohlensaures Natron, gebrannten Kalk, etwas Kochsalz.

Gesetzt, es sollten 3 Pfd. Talg in Seife umgewandelt werden, so pulvert man 3 Pfd. Soda, spritzt so lange Wasser auf 1 Pfd. gebrannten Kalk, bis er unter Erhitzen zu Pulver zerfallen, mengt beides und bringt es in die Kufe, über deren Boden man vorher ein Stück Zeug gebreitet und deren Bodenloch verstopft hat.
Auf diese Masse gießt man so viel Wasser, daß es nicht nur durch und durch mit Wasser gesättigt ist, sondern daß das Wasser auch noch 3 Quartfinger über derselben steht.
Nachdem man diese Masse gut umgerührt, lasse man sie einen halben Tag ruhig stehen und öffne jetzt das Bodenloch, damit die erste Lauge , welche man besonders aufbewahrt, abfließen könne.
Ist dies geschehen, so gieße man frisches Wasser in die Kufe, rühre das Gemenge neuerdings gut um, und lasse nach einigen Stunden die zweite Lauge ablaufen, die man ebenfalls besonders aufbewahrt.
Auf dieselbe Art gießt man zum dritten Male Wasser auf und zieht dann auch diese schwächere Lauge ab, worauf die Masse erschöpft ist.

In den Kessel giebt man nun 3 Pfd. Fett mit reichlich 1 Quartier von der 3. Lauge, erhitzt unter Umrühren das Gemenge bis zum Sieden.
Das Feuer wird gleichmäßig unterhalten und während des Siedens setzt man alle 2 oder 3 Minzen ein Glas von der dritten Lauge zu, während beständig gerührt wird. Wenn die dritte Lauge ganz verbraucht ist, bedient man sich der zweiten auf derselbe Weise, und ist auch diese verbraucht, so verfährt man mit der ersten eben so, läßt aber ein wenig davon zurück zum späteren Gebrauch.

Wenn man endlich bemerkt, daß der Brei das Aussehen von geronnener Milch erhält, so setzt man 2-3 Unzen Kochholz hinzu, wodurch sich der Seifenteig sogleich verdicken und von der überflüssigen salzigen Flüssigkeit abscheiden wird.
Man läßt nun die Seife noch 1/2 Stunden sieden, nimmt sie vom Feuer , um sie sich etwas abkühlen zu lassen und schöpft mit dem Schaumlöffel sodann die Seifenmasse von der darunter befindlichen salzigen Flüssigkeit.
Ist dies geschehen, so reinigt man alsogleich den Kessel und bringt die Seife mit einer geringen Menge Wasser (einen Schoppen beiläufig) in denselben, um sie neuerdings zu erhitzen.

Wenn sie nun beinahe auf den Siedepunkt gelangt ist, so setzt man ihr theilweise zu, was noch von der ersten Lauge übrig geblieben, und läßt sie noch 1 Stunde lang sieden.
Erst nach dieser Zeit nimmt man Kessel vom Feuer, um ihn so wie das erste Mal abkühlen zu lassen und um die gebildete Seife auf dieselbe Weise von der salzigen Flüssigkeit zu scheiden.
Diese Seife bringt man neuerdings auf 1 Quartier Flußwasser in den Kessel, um sie mit diesem noch einmal zu erhitzen und selbst einen Augenblick sieden zu lassen, damit die Seifenmasse vollkommen gleichmäßig werde, dies muß mit größter Vorsicht und unter beständigem Umrühren geschehen, damit die Seife nicht anbrenne.
Dann erst gießt man die Seifenmasse in die Kiste, deren Wände man, um das Ankleben zu verhindern, mit gelöschtem Kalk abreibt; man kann auf auf den Boden der Kiste eine dünne Schicht Kalk bringen und auf diesen ein Blatt Papier legen.
Schon Tags darauf kann man die feste Seife aus der Kiste nehmen und mit einem dünnen Draht, z.B. einer Klaviersaite, in beliebige Stücke schneiden.

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Ersatzmittel der Seife

Nachträglich ist für Wäscherinnen zu bemerken: daß man beim Reinigen der Wäsche viel an Seife sparen kann, wenn man in eine Auflösung der Seife weißen Thon mischt, dem man, auf 100 Pfd. etwa 5 Pfd., krystallisirtes Natron gepulvert beigemischt hat; mit einem solchen Seifenschleim kann man besonders Wollenzeug, schmutzige Rockkragen, reinigen, ohne daß die Wollenfaser angegriffen wird und einläuft.

Außer diesem hat man noch andere schleimige Flüssigkeiten, die ebenfalls, besonders feinere Wäsche, sehr gut reinigen.
Roggenmehl zu Brei gekocht und mit Seifenwasser gemischt, reinigt Flanell sehr gut; – eine Abkochung der Seifenwurzel, auch der in Gärten bekannten Zierpflanze „brennende Liebe“, –
Roßkastanienmehl mit Wasser zu einem Schleim geschlagen; – das Wasser, was bei der Kartoffelstärke-Gewinnung zurückbleibt, gekochte Kartoffel zu dünnem Brei angerührt und mit etwas Gest in Gährung gebracht, hier wirken schleimige und geistige Theile zur Reinigung.
Wenn man Holzasche mit etwas zu Pulver geschlagenem Kalk mengt und dann mit Wasser auslaugt, diese Lauge mit so wenig Öl tüchtig abrührt, daß es michicht wird, so kann man dies als vortreffliches Ersatzmittel der Seife auch bei der schmutzigsten Wäsche brauchen.
Wer auf dem Lande sich gebrannten Kalk verschafft hat, dem ist zu rathen, solchen in kleine Stücke geschlagen in weithalsige Flaschen zu geben und gut verkorkt zum Gebrauch aufzubewahren.

30.07.2022 – Karl Meister (* 1947 per Mailpost)
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Interessiert sich jemand für die althergebrachte Methode der Seifensiederei, sollte er/sie sich mit der Herstellung von Laugen (zumindest seifiger Laugen) und deren Handhabung.
Sonst wird das nichts. Zumindest nicht ohne Hilfe. Der Chemiebaukasten aus der Schulzeit dürft da etwas zu geringe Fachkenntnisse gebracht haben.

Wer für Infos aus erster Hand interessiert, dem sei die Lektüre des Handbuchs der chemischen Technologie von Dr. P. A. Bolley empfohlen, das 1867 in Braunschweig beim Verlag Vieweg und Sohn verlegt wurde.

Wer nach den unterschiedlichsten Seifenarten und deren ursprünglicher, reiner Zubereitung sucht, wird nicht enttäuscht.
Blutige Laien haben es allerdings – wie überall – nicht so richtig einfach. Anders als in unserer heutigen digitalen Welt verlangt der Autor schon etwas Engagement und ein Minimum an Vorkenntnis. Es geht um Basen. Ihr erinnert Euch? Ihr erinnert Euch, um hiermit klar zu kommen bedarf es einer gewissen (nicht allzu großen) Basis an Vorkenntnissen.

18.08.2022 – T. Selzer (Mail)
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