Mit einem Raddampfer oder einem modernen Doppelschraubendampfer ab ins Urlaubsidyll des Seebades auf dem damals noch unzerstörten Helgoland.
Erschienen April 1867.

23.12.2020 – Resi
Renate hat mir einen Artikel zum Thema „Schlicht- oder Gesindeküche“ zugemailt, auf den ich schon lange warte und ich deshalb sehr dankbar bin, dass er noch rechtzeitig zu Weihnachten veröffentlicht werden kann, ehe die Weihnachtsgänse und ihre Karkassen von unseren Tischen wieder verschwunden sind:
Das Küchenpersonal oder das Servicepersonal hatte die Aufgabe, das zum Fest aufgetischte Geflügel in wohlfeiler Weise zu tranchieren und für’s Auge hübsch dekoriert zu Tische zu schaffen.
Übrig blieben die Reste, die zurück in die Küche gingen.
Dort lagen bereits Köpfe, Hälse, Flügelspitzen und Füße.
Hieraus konnte eine Suppe hergestellt werden oder die Wirtschafterin stellte diesen Überfluss dem Hauspersonal zur Verfügung. Nicht, dass man denken soll, es gäbe nur karge Kost und kaum Gewürze. Alles hatte seinen Preis, aber Zucker und Südfrüchte gab es ab Mitte des 19. Jahrhundert eigentlich zu erträglichen, aber schwankenden Marktpreisen.
Wir haben schon darauf hingewiesen, dass Wetter, Saison und häufiges, unkalkulierbares Kriegsgeschehen einen erheblichen Einfluss auf den Handel ausübten.
Zurück zur Schlichtküche.
Natürlich konnte ein einfacher Landwirt, der mit seinem Gesinde zusammen in der Küche saß, die Weihnachtsgans anders darbieten als der Stadtbewohner. Aber auch der Landbewohner schlachtete für seinen Kuhhirten, den Pferdeknecht oder die Melkmagd kein Huhn oder keine Gans extra.
Soweit ging es nicht mit dem Zusammenleben.
Also blieben (vorwiegend) in der Stadt die Gesindeküchen für’s Personal der Bürgerschicht und die Schlichtküchen für die gemeine Arbeitergesellschaft in Mode.
Niemand nahm daran Anstoß. Das war gelebte Tradition und sogar besser als im Jahrhundert zuvor, als sogar Friedrich der Große keinen Anstoß daran nahm, dass sein Volk hungerte. Das war eben so. Was sollte sich ein König über so etwas wie die Not der Bauern aufregen? Die wuchsen schneller nach, als er sie zu Soldaten (Kanonenfutter seiner Kriege) machen konnte.
Hier ein uraltes Rezept, dass in jeder Hungerszeit seit (soweit mir bekannt) etwa 1835 bis nach dem zweiten Weltkrieg immer wieder seine Erfolge feierte:
Knochensuppe
Die in der Küche oder nicht auf den Tisch getragenen Reste einer Tafel wurden nach dem Abräumen wieder in den Wirkungsbereich der Köchin und ihrer Helferin getragen.
Die Knochen trugen stets noch reichlich Fleisch und Saucen waren stets reichlich vorhanden, ebenso Gemüse und zumeist Kartoffeln.
Die Köchin löste soviel als möglich das Fleisch von den Knochen, hackte alles einschließlich der Knochen klein und zerstieß die Teile dann noch im Mörser.
Das kam das Ergebnis in die Kasserolle, wurde mit Zwiebeln, Suppengrün, Sellerie und Lauch belegt, darauf entsprechend Butter gelegt und mit heißem Wasser begossen, Salz und etwas Pfeffer Alles ordentlich aufgekocht.
Die Köchin wusste wann die Suppe fertig war (Abschmecken half da wohl auch).
Dann wurden ein paar gerührte oder gequirlte Eier untergerührt und sobald diese in der heißen Suppe geronnen waren, konnte das Speisen des Personals beginnen.
Wahlweise gab es dazu gekochte Kartoffeln oder Brot.
War das restliche Fleisch sehr üppig gewesen, kam nicht alles in die Suppe sondern die Köchin stellte daraus mit Ei und Mehl ein Ragout her und formte mit Esslöffeln daraus z.B. kleine Klößchen, die der Suppe während des Aufkochen hinzugefügt wurden und ihren Gehalt erhöhte.
Dieses Rezept stammt von Renate aus Genthin.
Ihre Großmutter versichert, dass dieses Rezept schon in der Familie gewesen sein soll, als diese geboren wurde, denn sie schrieb selbst noch in das Familienkochbuch, das seit Generationen immer im Küchenschrank lag und noch liegt – wie seit Urzeiten in Brotpapier eingeschlagen und stets bereit, neue Einträge aufzunehmen.
Lest auch den Beitrag „Knochenbrühe – wie von UrurOma“, den uns Senta am 27.12.2020 sandte.
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Justiz- und Polizei-Sachen
Urteil, Dietrich Müller betreffend,.
Dem zu Messelhausen ansäßig gewesenen, und von da nach Weilmünster gezogenen, von letzterem Ort aber heimlich entwichenen Dietrich Müller, wird, da dessen dermahliger Aufenthalte nicht auszukundschaften ist, hierdurch öffentlich bekannt geachtet, daß das auf Anordnung des höchstpreislichen Reichs-Cammergerichts in seiner, und mehrerer anderer Mitschuldigen Untersuchungs-Sache ab Impartialibus Exteris eingeholte Urtheil dahin ausgefallen, daß er morgen seines Versuchs, durch andere Geld munzen zu lassen, in 20 Rthlr. Strafe zu nehmen, und daneben die, durch die bisherige Untersuchung aufgelaufene Unkosten zu seinem Urtheile abzustatten schuldig seye; welche Strafe und ;Kosten man von seiner hinterlegten baaren Caution berichtigen, und den allenfalltigen Ueberschuß derselben bis zu seinem persönlichen Erscheinen aufbewahren wird.
Remmlingen, den 20. October 1802
Von Kayserl. Subdelegations-Commissionswegen
S.C. Zwanziger
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Vorladung der Erben der Catharina Barabara Strauß.
Es ist im Monat Jenner dieses Jahres die bürgerliche Schumachers Witwe Catharina Barabara Straußin geborene Fehr von Floß ohne Hinterlassung einiger Leibeserben mit Tod abgegangen.
Nachdem dem dießortigen Paulaner Wachtamt die Auseinandersetzung derer Nachlassenschaft übertragen worden, so hat dasselbe berichtet, daß nach Abzug der Passivorum ein Activvermögen von 385 fl. 54 ½ kr. übrig verblieben sey, welches an deren Intestaterben nach von Straußin annoch verschiedene Schwestern und deren Kinder am Leben und, namentlich des Glaspolirers Johann Kohls zu Burg Grub bey Erbendorf Ehewirthin, Christoph Fehr Webermeister zu Krummenarb, als der verstorbenen Bruders Sohn, der Rofina Meyerhoferin zu Behemstrauß hinterlassene Kinder, und des Glaspolirers Thomas Sicherling zu Sperlkammer Ehewirthin, als welche gleichfalls eine leibliche Schwester der verstorbenen Straußin gewesen seyn soll; dies werden sämmtliche vorerwähnte im Oberpfälzischen befindliche Straußische Intestaterben, und wer sonst noch erbliche oder andere Sprüche und Forderungen zu haben vermeint, edicaliter vorgeladen, innerhalb 3 Monaten a dato dieses in Person oder durch hinlängliche Bevollmächtigte allhier vor unserm Paulaner Wachtamt zu erscheinen, ihre Ansprüche rechtlich nachzuweisen, und sich zum Empfang der jeden Theil treffenden Erbsraten gebührend zu legitimiren.
Regensburg, den 26. December 1802
Kämmerer und Rath allda
Anzeigen:
Aufforderung
Christian August Schmidt, der von Aplda gebürtig und im Jahr 1791 in die Fremde gegangen ist, wird gewisser Familien-Umstände wegen gebeten, von seinem dermaligen Aufenthalt baldige Nachricht zu geben und dafern er verstorben seyn sollte, wird des Orts Obrigkeit, wo er gestorben ist, um Ausstellung eines Todtenscheins gegen Erlegung der Gebühren ersucht, solche Nachricht oder Todtenschein an die Expedition des Kaiserlich priviligirten Reichs-Anzeigers in Gotha einzusenden, welche das weitere besorgen wird.
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Dienst-Gesuche
Ein lediges Frauenzimmer in Thüringen von gutem Herkommen, die nähen, waschen, plätten, kochen und backen kann, auch bey mehreren Herrschaften in Diensten gestanden hat und mit guten Attestaten versehen ist, sucht sobald wie möglich in Condition als Haushälterin oder bey Kinder sowohl auf dem Lande als in der Stadft unter zu kommen.
Die Adresse ist zu erfahren bei der Expedition des Kaiserlich priviligirten Reichs-Anzeigers in Gotha
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Ein junger Mensch von guter Familie, welcher Rechnen, Schreiben und etwas Latein versteht, auch etliche Jahre in Schulen gewesen ist, wünscht, unter anständigen Bedingungen irgendwo sein Unterkommen zu finden.
Die Adresse ertheilet auf frankirte Anfragen die Expedition des Kaiserlich priviligirten Reichs-Anzeigers in Gotha
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Düsseldorf
Am 09. Dezember 1844 wurde hier wiedermals eine zahlreich besuchte Versammlung zur Bildung eines Bezirksvereins für das Wohl der arbeitenden Klassen gehalten, doch scheint man auch diesmal noch immer nicht recht einig geworden zu seyn, was man zuerst heben und berichtigen soll, das geistige oder das leibliche Wohl der Arbeiter.
Die Frage scheint überhaupt der Stein des Anstoßes bei den meisten derartigen Versammlungen zu seyn, obgleich die Erfahrung längst bewährt hat, daß die Hebung der körperlichen Not auch die Moralität und Gesittung steigert.
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Antwerpen
In der Nacht vom 08. Dec. Ist der Steuermann am Bord des Schiffes Oskar ermordet worden.
Der Thäter ist noch unentdeckt.
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London
Prinz Albrecht verlegt sich jetzt auf Schlittschuhlaufen, und zwar auf englischen Patentschlittschuhen, da seine von Deutschland mitgebrachten wie natürlich sehr schlecht und plump gearbeitet waren.
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London
Die städtischen Behörden haben alle kleinen sogenannten Pfennigtheater schließen lassen, weil dieselben meistens nur Diebes- und Mordgeschichten zur Aufführung bringen, und es sich herausgestellt hat, daß eine Anzahl Taschendiebe und sonstige Taugenichtse, von denen London wimmelt, größtenteils diesen Musentempeln seine erste Bildung verdankt.
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Paris
Die Unsicherheit der Stadt und die nächtlichen Raub- und Mordanfälle werden immer ärger, es soll deshalb eine eigene Nachtpolizei von 2400 Mann errichtet werden.
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Nürnberg
Am 1. Febr. f. J. Sind der allerhöchsten Stelle aus allen Orten die Verzeichnisse der in diesem Jahre vorgekommenen Selbstmorde einzureichen, um Mittel in Erwägung zu bringen, wie dem Umsichgreifen der Selbstentleibungen begegnet werden kann.
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Nürnberg
Der Raubmörder Eppensteiner’sche Untersuchungsprozeß ist allgemeinem Vernehmen nach beendigt, und es harret der Bösewicht seines wahrscheinlich bald eintreffenden letzten Urtheils. Ueber sein Betragen vernimmt man die verschiedensten Angaben, von denen natürlich keine auch nur einigermaßen vertreten werden kann. Einige wollen aus guter Quelle wissen, Eppensteiner sei von Reue und Zerknirschung so angegriffen geistig und körperlich, daß man noch immer für seine Gesundheit ernstlich besorgt sein müsse.
Andere dagegen behaupten aus wo möglich noch besserer Quelle erfahren zu haben, der ruchlose Doppelmörder sei nur dem gewaltigen Eindruck erlegen, den nach seiner Gefangennehmung in Passau die Aufläufe von Schaulustigen in allen Orgten und Städten, durch die er transportiert wurde, auf ihn wohl nothwendig hervorbringen mußten, namentlich hier auf der Fahrt durch die Straßen bis zum Leichenhaus und dort während der Recognition der Leichname.
Später habe sich Eppensteiner nicht nur wieder völlig erholt, sondern er habe sein Benehmen auch weit eher von Verstocktheit und von tiefeingewurzelter Ruchlosigkeit, als von Reue und von Ergebung in sein nur allzuverdientes Loos gezeigt.
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Passau
Das Montags schnell eintretende Glatteis hat leider auch einen Unglücksfall herbeigeführt. Ein wackeres Nähermädchen hat in Folge des Ausgleitens den Fuß gebrochen.
Möchte doch das Publikum im Interesse seiner Mitmenschen die obrigkeitlichen Verordnungen in Betreff des Sandstreuens etc. Recht genau befolgen.
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Rom
Auf viele Vorstellungen vornehmer Herren hat die Regierung ihr Verbot gegen die Hetzjagden zurückgenommen, auch hofft man, die Pferderennen werden wieder freigegeben werden, aus Dankbarkeit wollen sich dann die erwähnten Vornehmen bei einem Vereine gegen Thierquälerei als Ehrenmitglieder aufnehmen lassen.
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Spandau
Nachdem Tschech’s Urtheil, welches auf die Strafe des Räderns lautete, in Hinrichtung mit dem Beil verwandelt worden ist, hat der König erklärt, der Gerechtigkeit freien Lauf zu lassen. Das Urtheil wurde demselben publicirt, und morgens darauf (14.Dez) hier vollzogen.
Tschech starb als Mann von Charakter, gefaßt bis zum letzten Moment; auf seinem letzten Wege nach Spandau rauchte er im geschlossenen Wagen eine Zigarre.
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Rosenheim
Am 6.d.M. hatte der Zimmerpalier Hollyell bei der hiesigen Saline auf einer Hasenjagd das Unglück, nachdem er auf einen Hasen schoß, der jedoch nicht sogleich todt blieb, sich dadurch selbst zu erschießen, indem er den Hasen mit seinem Wender, wovon noch ein Lauf mit einer Kugel geladen war, verfolgte, auf den denselben schlug, wodurch sich das Gewehr entlud, und ihn der Schuß, durch die Brust gehend, augenblicklich tödtete,
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Leipzig
Mehrere Fleischer lassen sich jetzt Wagen bauen, in welchen das Schlachtvieh ungebunden transportirt wird. Nicht nur ist dadurch die schändliche Thierquälerei umgangen, sondern es ist auch ärztlich bewiesen, daß dadurch besseres und gesünderes Fleisch geliefert wird.
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Empfehlung
Schöne große Mandeln, Genueser Citronat und candirte PomeranzenSchaalen, frische Brünellen, Arac de Batavia, feinste Orange, Rum- und Arac-Punschessenz von Joseph Braul in Aschaffenburg, feinste Gewürz- und Vanille-Chocolade, verschiedene Sorten feinen Senf in Büchsen, als Moutarde aux Capres, aux Anchois, à l’Estragon, aux finis herbes etc., Suppenkern und ächten ostin. Marksago, Emmenthaler und Limburger Käse, holl. marinirte und Salzhäringe, ferner Varinas-Canaster und Portorico in Rollen, die beliebtesten Sorten Schnupftabacke von Lotzbeck, Bernard etc. ein vorzüglich gutes Sortiment abgelagerter Cigaretten von 5 ½ – 60 fl. pr. Tausend, Fischbein in allen Gattungen, gezogenes Putz- und Stuhlflechtrohr empfiehlt nebst allen übrigen Spezereiwaaren zu den billigsten Preisen
Friedrich Bauer, am weißen Turm
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G.C. Schwarz
Cigarrenfabrikant am Obstmarkt
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Preise im auslaufenden 19. Jahrhunderts
Eine Aufstellung, die wir bei nächster sich bietender Gelegenheit mit neuen Erkenntnissen verlängern und ergänzen.
Auf GenWiki gibt es die Seite „Geld und Kaufkraft ab 1871“ (Link) und hier könnt ihr nachlesen, dass ein einfacher Arbeiter (vielleicht ein „Stauer“) im Hamburger Hafen 61 Mark im Monat verdient hat. Sicherlich gab es wie heute Arbeiter, die höhere Einkünfte erzielten, aber es gab garantiert – wie heute z.B. in der Fleischindustrie oder im Baugewerbe an der Tagesordnung – Leute, die weniger bis erheblich weniger für ihre Arbeit erhielten. Fremdarbeiter – schon immer aus dem Osten und mit noch weniger Bildung als sie der einfache Hafenarbeiter hatte – waren ganz bestimmt auch damals die „Arbeitssklaven“ der Industrie und ihrem Anspruch auf „Wachstum“.
Schichtleiter, welche die Tagelöhner früh am Tage einstellten und entließen, Vorarbeiter, die die Tagelöhner in Arbeitsgruppen im Hafenbetrieb zu Akkordleistungen antrieben, verdienten mit Sicherheit das Doppelte und mehr.
Auf GenWiki ist ebenso nachzulesen, dass 1kg Schweinefleisch so um 1 Mark und 50 Pfennig kostete. Pferdefleisch war um 2/3 preiswerter, kostet also 50 Pfennig je Kilogramm.
Alle anderen marktüblichen Preise könnt ihr dort selbst nachlesen, mit dem Zirka-Verbrauch einer vielköpfigen Familie (mehr Leute als heutzutage) ins Verhältnis setzen und mit den heutigen Preisen (jede Woche als Prospektbeilagen in den kostenlosen Wochenblättern im Briefkasten) vergleichen.
Seht ihr den deutlichen Unterschied z.B. beim Schweinefleisch?
Rossschlachtereien werben heute damit, dass sie lecker Futter für Hund und Katze bereitstellen.
Soweit so gut.
In diesem Artikel stelle ich Euch Preise aus der Zeit 1875 bis 1900 vor, die wir in Kochbüchern und Zeitschriften finden, die uns in die Fingern fallen.
Hieran könnt ihr – immer mit Blick auf die o.a. Verdiente des einfachen Arbeiters – in etwa ermessen, wie es großen Schichten unserer Bevölkerung ergangen sein mag. Vergesst nicht, dass die Einkaufspreise für das Bürgertum, den Arbeiter und den armen Schlucker aus dem Gängeviertel beim Fleischhauer oder auf dem Wochenmarkt gleich hoch waren, ab stark von Kriegen, Saisoneinflüssen, Ernteerfolgen und den Jahreszeiten abhängig waren.
Hedwig Heyl veröffentlicht 1892 eine Aufstellung über die Einrichtung einer funktionierenden Komplettküche zu damals üblichen Tagespreisen in M (Mark) und Pfg (Pfennigen):
1 Küchentisch mit massiver Holzplatte,
darunter 1 zusätzlicher Zwischen-Einlegeboden
mit 1 Schublade
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14,00 Mark
1 Küchenschrank, oben und unten mit Schränken,
in der Mitte ein Fliegenspind, 2 Schubladen und
1 Platte zum Herausziehen
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50,00 Mark
wie vor, aber mit 3 Schubladen
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75,00 Mark
1 Abwaschbank oder Scheuerschrank mit Deckel
zum Zuklappen; die oben befindlichen beiden mit
Zink ausgeschlagenen Schubladen dienen zur
Aufnahme des schmutzigen Geschirrs; das
Unterteil bildet 1 Schrank, in welchem die Geräte
zum Reinigen der Küche Platz finden
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60,00 Mark
1 Wandbrett (-regalbrett) für Kochtöpfe, auf
eingegipsten Eisen liegend, vorn gelbe Haken
zum Aufhängen der Gemäße eingeschraubt
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10,00 bis 18,00 Mark
1 Wasserbank, falls keine Wasserleitung vorhanden
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4,00 Mark
1 Rahmen zum Aufhängen von Formen und Sieben
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5,50 Mark
1 Quirlbrett und ein Brett mit 3 aufrecht stehenden
Hölzern zum Trocknen von Beuteln und Haarsieben,
beides zusammen
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3,00 Mark
1 Holzkasten
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12,00 Mark
1 Leiste mit Haken für die Wirtschaftstücher
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,50 Mark
1 Leiste mit Haken für die Bürsten
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,00 Mark
1 do. für die Schlüssel
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,00 Mark
2 mit Blech beschlagene Schemel à 3,50
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7,00 Mark
1 Stuhl, der zugleich Tritt sein kann
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9,50 Mark
1 amerikanische Uhr
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7,00 Mark
1 Gewürzschrank
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4,00 Mark
Frau Heyl hat diese Preise aus dem Magazin für Küchen-Einrichtungen von Karl Hirsch & Co., Berlin W., Leipziger Str. 114 entlehnt und zur Sicherheit mit Firma B. Ebeling in Bremen abgestimmt. Man wollte ja ordentlich recherchieren.
Bei beiden waren diese Küchengeräte für die Einrichtung eines von 4-6 Personen-Haushalts natürlich sofort lieferbar.
Insgesamt hätte eine komplette Küche für einen privaten Haushalt, eingerichtet von einer dieser beiden Firmen, inkl. aller Kleingeräte und Küchenmaschinen damals 733 Mark und 40 Pfennig gekostet.
Ich erlaube mir, die Endsumme ungefragt auf 735 Mark aufzurunden.
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Trüffel-Sauce
Mume’s Receptsammmlung anno 1881 – 1892
Zwei Löffel Butter werden mit ebenso viel Mehl geschwitzt, mit Bouillon verkocht, mit ein wenig Zuckerfarbe braun gefärbt und durch ein Sieb gegossen. Nachdem man die Brühe aufs neue in die Casserole gethan hat, giebt man die in Scheiben geschnitten Trüffeln hinzu – die vorher roh in ein wenig Butter mit Madeira oder Portwein rasch aufgeschwitzt waren – sowie ein Glas Madeira oder Portwein, zuletzt ein Theil des Fond in dem Fleisch, Leber, Filet u.s.w. gebraten wurde.
Mail 20.12.2020
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Karpfen à la Chambord
Mume’s Receptsammmlung anno 1881 – 1892
Ein Karpfen von etwa 2 kg wird getödtet, geschuppt, ausgenommen, gereinigt, gehäutet und mit feinen Speck- und Trüffelstiften gespickt, gesalzen, eine Stunde zur Seite gestellt und dann in einer großen Pfanne, mit Speck- oder Schinkenscheiben, Salz Pfefferkörnern, Nelken, Lorbeerblättern, Zwiebel, Wurzelwerk und einem Bündel Petersilie, mit Weißwein und schwacher Bouillon übergossen, zugedeckt langsam weich gedämpft.
Da der Fisch leicht zerfällt, schlägt man ihn besser in ein gebuttertes Papier, das beim Anrichten vorsichtig entfernt wird.
Auf eine lange Schüssel gelegt, garniert man ihn mit einem feinen Ragout von Champignons, Fischklößchen, Karpfenmilch, Krebsschwänzen etc., das in einer Trüffel-Sauce gemacht wurde.
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Mail 20.12.2020
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Der gute alte Alois, ein waschechter Piefke aus dem „Rheinischen“ wurde in Bayern fündig und hat uns über seinen Freund aus einem dortigen Heimat-Lesezirkel etwas „Lebensnahes“ aus dem Jahre 1868 mitgebracht.
Dort hat der Bursche „Perlinger“ – wohl im betrunkenen Zustande – im Jahr 1867 mit seinem Messer leichtsinnig groben Verletzungen angerichtet und ist dafür ziemlich ordentlich „eingefahren!“
Hier ein zeitgerechter und wortwörtlicher Bericht aus 1868 über die Verhandlung vor dem Geschworenengericht:
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Im Juli vorherigen Jahres fand in Untereging eine Hochzeit statt.
Nachts 11 Uhr gingen die dabei anwesenden Burschen von Loipfering aus dem Wirthshause, wo die Hochzeit gefeiert wurde und schossen, nachdem sie etwa 100 Schritte vom Wirthshause entfernt waren.
Die Burschen von Untereging murrten über das Schießen, und als aus der Richtung, welche die Loipfinger Burschen genommen hatten, Steine gegen die an der Thüre des Wirthshauses stehenden Untereginger Burschen geworfen wurden, liefen 3 oder 4 von letzteren den Loipfinger Burschen nach.
Perlinger lief voraus, und als er den hintersten Loipfinger Burschen, einen gewissen Mathias Würzinger erreicht, brachte er diesem einen Stich in das rechte Auge bei, was den Verlust des Sehvermögens auf diesem Auge zur Folge hatte.
Noch in der nämlichen Nacht entspann sich eine Schlägerei im Wirtshaus in Untereging, indem ein gewisser Baumgärtner auf die Entfernung seines anwesenden Schwagers Wieninger drang, und als seiner Aufforderung nicht entsprochen wurde, mit Perlinger und einem gewissen Dorfner auf Wieninger eindrang.
Der Hausknecht Friedrich Haushofer wollte Ruhe stiften, und erhielt hierbei von Perlinger einen Stich in die rechte Schulter, welcher eine 10tägige Arbeitsunfähigkeit verursachte.
Die Geschworenen erachteten den Perlinger eines ohne überlegten Entschluß verübten Verbrechens und eines Vergehens der Körperverletzung für schuldig und der Schwurgerichtshof verurtheilte ihn zu 5jähriger Zuchthausstrafe.
A.P. – 21.12.2020
1867 hatte die ganze Gemeinde Eging 18 Gemeindeteile und insgesamt 569 Einwohner.
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Vorab zu meiner Verteidigung: Schmutz ist hier tatsächlich Schmuz. Es ist mir wichtig, das zu erklären.
Wie Hausabfälle anno 1866 verwertet wurden:
Was der Staub im Zimmer, das sind Schmuz und Abfälle im Hause. Wenn nicht ununterbrochen für ihre Beseitigung Sorge getragen wird, wachsen sie an zu Dämonen, welche Behaglichkeit, Reinlichkeit, Ordnung der Wohnung und Gesundheit aller Bewohner zerstören.
Täglich fallen aus der Küche und Werkstatt eine Menge nutzloser Stoffe ab, täglich werden die im Gebrauch befindlichen Gegenstände im Hause: Kleider, Schuhe und Geräthschaften, in etwas abgenutzt. Dies oder Jenes als ausgedient beseitigt oder als zerbrochen weggeworfen. Düngergrube, Aschenbehälter, Senkgrube und Kehrichthaufen nehmen die mancherlei Invaliden und den Wegwurf der verschiedensten Art auf.
Je dichter die Wohnungen bei einander liegen, je größer und volkreicher also die Städte sind, desto wichtiger ist es, nicht blos der Bequemlichkeit und Annehmlichkeit, sondern auch der Gesundheit wegen auf vorsichtige Beseitigung des Abfalls, auf gute Einrichtung der Düngergruben u.s.w, zu achten.
Vor etwa 600 Jahren war selbst in Paris der schlechte Geruch, welcher sich aus dem Koth und Unrath der Straßen entwickelte, so unerträglich, daß er in’s Innere des Königspalastes drang und diesen fast unbewohnbar machte.
Selbst vor 200 Jahren machten es sich in Berlin die Schweine in den Düngerhaufen auf den Straßen bequem und mußten erst durch die Verordnungen des großen Kurfürsten entfernt werden. Heutzutage sind die Straßen der meisten Städte gepflastert und in den größern Orten nimmt das Schmuzwasser seinen Abzug durch unterirdische Kanäle (Kloaken).
Beobachtungen, welche man bei dem Auftreten der Cholera angestellt hat, zeigten, daß es von großer Wichtigkeit ist, auf die Lage der Düngergrube sorgsam zu achten. Dieselbe muß sich möglichst entfernt von dem Wohnhause befinden und so gelegen sein, daß die in ihr sich ansammelnden Flüssigkeiten weder mit dem Brunnen noch mit den Grundmauern des Hauses in Verbindung treten können. Häuser, welche von diesem Uebelstande frei, dabei frischem Luftwechsel zugänglich waren, blieben auffallend von jener Krankheit verschont, während sie in solchen von entgegengesetzter Beschaffenheit in um so höherem Grade wüthete.
Die Ausdünstungen, welche aus der Düngergrube in Folge der daselbst stattfindenden Fäulniß aufsteigen, sind der Gesundheit um so schädlicher, je weniger die Luft zum schnellen Wechsel Gelegenheit findet.
Durch eine Lösung von Eisenvitriol (1 Theil in 10 Theilen Wasser), welche man in die Düngergrube (oder Senkgrube) schüttet, vermag man mit geringen Kosten alle jene Uebelgerüche zu zerstören und selbst das Ausräumen der Grube geruchlos zu machen. Dasselbe erreicht man auch, wenn man etwa alle 14 Tage eine Schaufel voll eines Gemenges aus gelöschtem Kalk mit Braun- oder Steinkohlenstaub in die Grube wirft.
Indem man durch die letztgenannten Mittel die Wohnung von jedem lästigen Geruch befreit, gleichzeitig für guten Verschluß jener Gruben sorgt und das Regenwasser von ihnen abhält, wird auch die Güte des Düngers bedeutend erhöht. Gerade diejenigen Stoffe, welche für das Wachsthum der Pflanzen am wichtigsten sind, entweichen am leichtesten in Form übelriechender Luftarten. Durch jene chemischen Zusätze werden sie dagegen veranlaßt, Verbindungen einzugehen, welche nicht flüchtig sind, und kommen so den Gewächsen beim Düngen zu Gute.
In Paris ist es bereits Gesetz, daß jede Düngergrube vor ihrer Räumung durch Eisenvitriol geruchlos gemacht werden muß, und es wird die Ausführung dieser Verordnung durch einen besonderen Beamten überwacht.
In einem geregelten Haushalt sieht man aber nicht allein darauf, daß alles Unangenehme, welches Schmuz und Abfälle mit sich bringen, möglichst beseitigt wird, sondern man sucht dieselben auch so viel als thunlich noch zu verwerthen. Es ist sehr interessant, einen wenn auch nur flüchtigen Blick darauf zu werfen, wie heutzutage noch viele Dinge Benutzung finden, die ehedem nur auf den Schutthaufen oder in die Düngergrube wanderten.
Täglich liefert die Küche dem Haushund eine Anzahl Knochen, an denen derselbe seine Zähne versucht.
In größern Orten beschäftigen sich zahlreiche Leute damit, dergleichen Knochen, von denen der Hund nichts mehr wissen mag, anzukaufen und zu sammeln.
Die größten und schönsten derselben kommen in Fabriken, in denen sie gereinigt, gebleicht und zu Messergriffen, Pianofortetasten u. dergl. umgewandelt werden.
Die geringern Stücke werden entweder zur Herstellung von Phosphor benutzt oder aus ihnen durch Glühen Beinschwarz gemacht. Die übrigen gelangen in der Gestalt von Knochenmehl als geschätztes Düngemittel in die Hände des Landmanns. Mancher Knochen mag in der Form von Streichhölzchen oder Glanzwichse in die Haushaltung wieder zurückkehren, aus welcher er entfernt ward.
Aus Kalbsfüßen wird ein Oel gewonnen, das bei der Lederbereitung Verwendung findet, und ein ähnliches Oel, das man aus Schafsfüßen macht, dient bei Herstellung mancherlei Haaröle.
Das Blut geschlachteter Thiere wird vorzüglich als Mittel zur Herstellung thierischer Kohle hochgeschätzt, da es sich als Entfärbungsmittel unübertrefflich zeigt.
Es dient in Form von Kohlenpulver zum Reinigen des Zuckers.
Lederstückchen und Pergamentfetzen wandern in die Küche des Leimsieders, ebenso wird aus Knochen ein Klebstoff für Färber und Tuchmacher hergestellt.
Fischschuppen werden zu falschen Perlen, zu Armbändern und Ornamenten umgewandelt,
Fischaugen werden sogar in den Händen der Blumenmacher zu unentwickelten Blütenknospen.
Alte Tuchläppchen und wollene Lumpen, mit denen man ehedem kaum mehr anzufangen wußte, als schlechtes Löschpapier und Pappe daraus zu machen, werden gegenwärtig noch zu ganz andern Dingen gebraucht.
Es bestehen in England große Fabriken, die solche Wollenfetzen aufreißen, mit etwas neuer Wolle zusammenkrämpeln und daraus Garne und Tuche oder sonstige Wollenzeuge herstellen, die als neu ihren Umlauf beginnen.
Abfälle, die beim Scheren dieser Stoffe überbleiben, schmücken schließlich als Prachttapeten die Zimmerwände.
Abfälle von Teppichen kommen auch in Matratzen als Ausstopfmaterial, desgleichen gemeinschaftlich mit Lederstückchen und ähnlichen thierischen Abfällen zur Herstellung des Berliner Blau. Es ist bei Fabrikation der letztgenannten Farbe möglich, daß ein Lederstückchen, das ehedem mit dem Stiefeleisen in einem mechanischen Verbände gestanden, in dem Kessel des Fabrikanten mit demselben Eisen eine chemische Verbindung eingeht, die es zu jener schönen Farbe werden läßt.
Die zarten Damenkleiderstoffe, die unter dem Namen Balzarines, Orleans, Koburgs, Alpacas u. s. w. ehedem aus Wolle bestanden, sind jetzt aus einer Mischung von Wolle und Baumwolle hergestellt.
Sind sie durch längeres Tragen in Lumpen verwandelt, so wendet der Fabrikant chemische Flüssigkeit an, um ihren Baumwollezusatz zu zerstören, reinigt die überbleibende Wolle und bringt sie versponnen und verwebt nach einiger Zeit als feines Tuch wieder auf den Markt. Es ist auf diese Weise möglich, daß Etwas von der Wolle, welche vor wenig Jahren das Balzarinekleid der Dame bildete, gegenwärtig einen Theil vom Oberrock des Mannes ausmacht.
Das Fett, das in den Abfällen der Wolle enthalten ist, kommt später in Gestalt von Stearinkerzen wieder zurück.
Schnitzel von Pferdehuf und Horn sind zerkleinert zur Herstellung des Berliner Blau gleichfalls verwendbar und als Düngemittel sehr geschätzt.
Baumwollene und leinene Lumpen gelangen später als Papiere, vielleicht als Kassenbillets, wieder in unsere Hände: die leinenen liefern den im Kriege Verwundeten Charpie zum Verbande ihrer Wunden.
Korkabschnitzel lassen sich noch zur Füllung von Betten und Pfühlen, als Schwimmmaterial für Rettungsboote und Gewänder, endlich auch mit Asphalt gemischt zu Straßenmaterial für Hängebrücken gebrauchen.
Lumpen, die vielleicht zur Papierbereitung kaum tauglich waren, verwandeln sich in Papiermaché und kommen als Theebretchen oder als zierliche Figuren wieder.
Tabaksasche giebt einen trefflichen Zusatz zu Zahnpulvern.
Sägespäne, die bekanntlich die Zimmer säubern helfen, füllen die Puppenbälge, werden beim Verpacken von Flaschen und Eis, beim Reinigen der Metalle und endlich beim Räuchern von Fleisch und Fischen benutzt.
Die Holzasche wird vom Potaschenbrenner und Seifensieder sehr gesucht,
die zerpulverten Steinkohlen und Braunkohlen werden neu geformt und ihre Schlacken als Füllung unter Fußböden und zum Festmachen lockerer Wege empfohlen.
Auch den Backsteinen setzt man sie zu und den Ruß schätzt man wenigstens als Düngemittel.
Glasscherben und zerbrochene Flaschen wirft man gegenwärtig nicht mehr weg, sie kommen wieder in die Glasfabrik, werden von Neuem geschmolzen und zu Geschirren geformt.
Nagelstückchen und alte Stahlschnitzel aus Nadelfabriken geben das Material zu den besten Büchsenläufen und
alte Blechgeschirre und Eisenstücke kehren theils zu den Schmelzhütten zurück, theils verwandelt sie der Chemiker.
Es ist nicht unmöglich, daß die Tinte, mit der wir schreiben, früher ein Theil eines eisernens Faßreifens war, sowie die beste Buchdruckerschwärze, welche Kupferstiche oder Buchstaben schwärzt, aus verbrannten Weinkernen und Traubenhülsen erhalten wird.
Abschnitzel von verzinntem Eisenblech werden wieder in Zinn und Eisen zerlegt,
alle Metallabfälle lassen sich verwerthen;
der Goldschläger verkauft sogar seine alten abgetragenen Arbeitskleider und zwar nicht selten so theuer, daß er sich für den Erlös neue kaufen kann. Sie werden dann verbrannt und die Goldtheilchen, die sich in ihnen angehäuft haben, gesammelt.
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Kurzmeldung 19.12.1820 – 19.12.2020
Was hätte aus unseren Voreltern alles werden können, wenn die durch Napoleon geschwächten und kriegsmüden Untertanen die Gelegenheit hätten nutzen können, die ebenfalls geschwächten Monarchien durch einen letzten Aufstand der eigenen Bürger und Solaten abzustreifen ……?
Heute jährt sich der Troppauer Kongress (19.12.1820) europäischer Fürsten zum 200sten mal.
Der deutsche Kaiser, der russische Zar und auch der österreichische Kaiser fürchteten, dass der Gedanke der französischen Revolution in ihren Ländern um sich greifen könnte und ihre gottgewollte Stellung an der Spitze des Staates erodieren würde.
Was sollten sie dann tun?
Sie hatten ja eigentlich nichts anderes gelernt, als das Erbe ihrer Väter anzutreten und sich allein dadurch dazu berufen zu fühlen, die Menschen in ihren Ländern weiterhin als willige Untertanen (in tatsächlichen Leibeigenschaften) zu halten, ihnen ihren Obrikeitswillen aufzuzwingen und sie im Staatsinteresse nach Herzenslust zu kommandieren.
Napoleon hatte diese alte Ordnung empfindlich durcheinander geworfen und sein verheerendes Kriegswesen hatte so manche Herrschaft um ihr leistungslos ererbtes, unverdientes Vermögen gebracht. Aber auch die Bevölkerung bedrängt.
Diese obrigkeitsmüde Bevölkerung hatte vom endlosen Kriege, tausenden Toten, zerstörten Existenzen und der grassierenden Not die Nase voll und hörte gut zu, wenn von den Jungen, Aufmüpfigen, Mutigen gerufen wurde „Wir sind das Volk“ und machte vielerorts mit, wenn es hieß Barrikaden gegen das eigene Militär zu errichten, das nun nach den Kriegen erneut antretgen musste, um die althergebrachten Ansprüche der früheren Regierungen eins zu eins wieder herzustellen und zu sichern.
Sinn dieses Kongresses der amtierenden Monarchen sollte es sein, dass man gemeinsam in die Länder einmarschierte, in denen sich bürgerliche Bewegungen durchzusetzen drohten, die autoritäre Staatswesen beeinträchtigen oder gar beseitigen könnten.
Als arg gefährdet sah man dazumal Portugal und Spanien an.
Die „Fürstenhäuser“ bogen sich diese Absicht als dringenden, ihnen rechtmäßig zustehenden Selbstschutz-Anspruch zurecht, um von Untertanen-Revolutionen bedrohte Fürstentümer gemeinsam zu befrieden, in diese Länder mit Waffengewalt einzudringen und zum Schutze der dortigen Königshäuser zu intervenieren.
Es galt vorrangig, Gottes wohlfeile jahrhundertealte monarchische Ordnung wieder herzustellen und diese dauerhaft für sich und den königstreuen Adel zu erhalten.
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Hi, ich bin hier die Aufsicht und sozusagen das Mädchen für alles. Ich werde gerufen, um Ordnung zu halten oder aufzuräumen. Jedoch auch, wenn meine Kolleginnen vor Problemen stehen oder Leser/innen sich mit Wünschen oder Nachrichten an die Blog-Redaktion wenden. Bin 365/24 für diesen Blog da, aber nicht rund um die Uhr erreichbar.
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