Omas Jahre

1862 – Maikäfersuppe

Vor einigen Tagen hörte ich etwas über Insekten und ihre Larven im Zusammenhang mit zukünftiger Nahrungsmittelherstellung. Dabei fiel auch der Begriff “Maikäfersuppe”. Ich machte mich also auf die Suche und fand im Google Books des Jahres 1862 einen ersten, interessanten Hinweis.
08.02.2023 – Eugenie

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Maikäfer waren ehedem unter dem Namen „Scarabaeus stridulus“ in der Arzneikunde offizinell. Sie wurden in Honig eingemacht (Melolonthae conditae). Wurden ähnlich den Maiwürmern (Meloes majales)) gegen Wasserscheu angewendet. Sie wurden mit Vorsicht gereicht, da sie scharfe Eigenschaften besitzen sollten.

Man schrieb ihre Wirkung dem bräunlich gelben Safte, den sie fahren lassen, zu; es möchte übrigens sehr zu bezweifeln sein, ob dieser Saft ein scharfes oder wirksames Mittel ist. Die alten Maler benutzten häufig diesen Saft als Farbe.

Anhangsweise mag hier noch das Urtheil eines Arztes in Fulda über die Verspeisung der Maikäfer eingeschaltet werden. Die weitere Prüfung dieses Gegenstandes, als nicht dem landwirtschaftlichen Zweige angehörend, überläßt man den Vertretern der Küchenchemie.

Der Arzt spricht sich hierüber im Magazin für Staats-Arzneikunde in folgender Weise aus:
„Man sollte nicht glauben, daß der gemeine Maikäfer, welcher so oft eine verderbliche Landplage ist und Alles verheert, uns so gute Suppe liefern könnte, wie solche wirklich von ihm gewonnen, hier von Vielen bereitet und mit Vergnügen gegessen wird.
Dieselbe wird wie die Krebssuppe bereitet. Die Käfer, von welchen man 30 Stück für eine Person rechnet, werden, so wie sie gefangen sind, gewaschen, in einem Mörser gestoßen, in heißer Butter hart geröstet und in Fleischbrühe aufgekocht, fein durchgeseihet und über geröstete Semmelschnitten angerichtet.

Ist die Bouillon auch schlecht, so wird sie doch durch die Kraft der Maikäfer ganz vorzüglich, und eine Maikäfersuppe, gut zubereitet, ist schmackhafter, bester und kräftiger, als eine Krebssuppe; ihr Geruchk ist angenehm, ihre Farbe bräunlich, wie die der Maikäferflügel

Nur Vorurtheil (?) konnte dieses feine und treffliche Nahrungsmittel, namentlich für sehr entkräftete Kranke, diesen entziehen, und ist das Vorurtheil dagegen einmal besiegt, so wäre diese Suppe eine gute Requisition für Hospitäler und Kasernen, wo sie, auch ohne Bouillon, bloß mit Wasser bereitet, herrliche Dienste thun wird.
Warum man sie bis jetzt verachtet hat und noch verachtet, ist nicht wohl einzusehen, sehen sie ekelhafter aus als die Schildkröten, aus welchen die so berühmten und theuren Kraftsuppen bereitet werden?
Alle Gäste, welche bei mir, ohne es zu wissen, Maikäfersuppe genossen haben, verlangten doppelte, ja dreifache Portionen!
Will man täuschen, so thut man einige Krebse zur Käfersuppe und sie wird dann für die vorzüglichste Krebssuppe passiren.
Eine medizinische Wirkung, die schädlich werden könnte, üben dieselben, wie man früher glaubte, durchaus nicht aus, sie stellen vielmehr ein herrliches Nahrungsmittel dar.

Es ist bekannt, daß Mancherlei verspeist wird, das nicht Jedermanns Appetit reizen könnte, z. B. Fröschschenkel, Schnecken, Austern u. dgl. m. Ob aber die Maikäfersuppe jemals Epoche machen wird, möchte sehr zu bezweifeln sein, weil Jedermann diese Maikäfer mit ihrem üblen, ekelhaften Geruche kennt; und Viele würden wahrscheinlich lieber ein für allemal auf eine Suppe verzichten, ehe sie Maikäfersuppe essen würden, was ihnen nicht zu verdenken wäre, da Kopf, Thorax und Abdomen sammt Koth und Harn der Insekten in der Suppe suspendirt wären.

In Italien und auch bei uns werden nicht selten Kopf und Thorax der Maikäfer auf Butterbrod verzehrt und wegen ihres reizenden Geschmackes gerühmt; die Verehrer und resp. Verzehrer dieser Maikäfer-Partien würden sich vielleicht auch zur Maikäfersuppe hinneigen, wenn sie es nicht etwa schon gethan haben. Für eine gute Rindfleischsuppe gibts kein Surrogat, und eine gute Rindfleischsuppe soll niemals Hospitälern und Kasernen entzogen werden.
Wenn die Maikäfer und Aengerlinge in der einen oder andern unter 1 — 5 angegebenen Weise technisch oder ökonomisch verwendet werden, ist der Wunsch des Referenten erfüllt.

Dr. Kneuttinger, München

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