Omas Jahre

Hannöversche Vorschläge 1845 für den Küchengarten (Theil 1)

Eine  hannöversche Wirtschafterin schrieb 1845 nach Ihrer anstrengenden Arbeit in einem örtlichen Beherbergungs- und  Gastronomieunternehmen jeden Abend an einem der vielen wegweisenden Bücher des 19. Jahrhundert. Sie widmete ihre Mühe auch den Tipps für die Einrichtung eines häuslichen Gartens und erhoffte sich die ungeteilte Aufmerksamkeit der Leser des stolzen Königreichs Hannover.

Edeltraut besuchte zufällig unseren Blog und …… da war doch was! Sie erinnerte sich.
Dann hat sie in Ihren Bücherschränken so lange herumgeräumt, bis sie das verstaubte, lange vergessene  Dokument gefunden hat.
Wir haben es mit ihr zusammen aus dem Dornröschenschlag geweckt und auf Elfriedes ausdrücklichen Wunsch zitieren wir hieraus zukünftig.
Sie ist der Ansicht, dass man heute hierüber einen kleinen, aber realistischen Eindruck hinter den Vorhang der Historie werfen kann und dadurch die nur für sehr wenige Leutchen “gute alte Zeit” besser zu verstehen.

Gründliche Anweisung zur Bestellung der Küchen- und Gemüsegärten
für Hausfrauen und Landleute,
nach eigener langjähriger Praxis und vielfacher Prüfung
mehrerer vorzüglicher Gärtner bearbeitet.
1.
Anweisung zur Bestellung eines Gemüsegartens.
Bei der Anlage eines Gemüsegartens muß man vor Allem sein Augenmerk auf die Lage des Grundstückes richten. Die beste Lage ist nach Morgen und Mittag, wenn man unter verschieden belegenen Grundstücken wählen kann.Damit die Gemüse ein erfreuliches Gedeihen haben, muß der Boden gut sein und tief und egal umgegraben werden. Als Dünger thut der Mist des Rindviehes die besten Dienste; er muß jedoch ordentlich verweset und nicht zu lang sein. Ist er zu lang, so wird der Boden hohl und erzeugt viel Ungeziefer. Das Umgraben im Herbst ist sehr vortheilhaft, denn das Land wird dadurch gehörig gelockert und kann im Frühjahr leichter bestellt werden.
Etwaige Quecken nehme man sorgfältig aus dem Boden weg; ein bloßes Untergraben derselben reicht eben so wenig zu, als das bloße Abreißen des Stammes; denn bleibt die Wurzel in der Erde, so wuchert das Unkraut ungehindert fort.
Damit der Dünger seine Kraft nicht verliere, darf er nicht lange aus dem Lande liegen bleiben; man bringe ihn daher möglichst bald unter die Erde. Wie oft und wie dick der Boden gedüngt werden muß, läßt sich nicht genau bestimmen; dies hängt von der Beschaffenheit des Landes ab. Für fettes Land ist Pferdemist sehr zu empfehlen. —
Manche Gemüse verlangen wiederum einen fetten, andere einen magern Boden. So schießen einige Gemüse zu stark in Laub und Blätter und tragen verhältnismäßig wenig Frucht, wenn sie auf einen zu stark gedüngten Boden kommen. Man hat deshalb wohl Ursache, vorsichtig und aufmerksam zu sein, daß jedes Gemüse seinen entsprechenden Boden bekomme; ein guter Gärtner muß denselben daher genau kennen lernen. —
Der Samen, dessen man sich zum Säen bedient, muß der beste sein, den man erhalten kann. Um ganz sicher zu gehen und nicht mit dem Samen betrogen zu werden, ziehe man ihn selbst. Sonst hat man einen doppelten Schaden: der Samen geht nutzlos verloren und zuviel Zeit, als daß man zum zweiten Male säen könnte; eine Folge davon ist, daß die Pflanzen zu spät kommen. Die besten und schönsten Gewächse, z. B. Wurzeln, Zwiebeln, Kohlköpfe u. s. w. muß man zum Samen aufheben. Dieser darf nicht eher angeschnitten werden, bis er vollkommen reif ist; jedoch achte man darauf, daß der Samen nicht ausfällt. —
Der Samen darf nicht zu dick gesäet werden, weil die Pflanzen sonst leicht verkrüppelte Gewächse bilden; die Pflanzen, welche versetzt werden sollen, dürfen auch nicht zu groß sein. Empfehlenswerth ist die Methode, nach einem sanften Regen zu pflanzen. Sind die Pflanzen nicht angegangen und hat das Land nicht genug Feuchtigkeit, so versäume man ja nicht das Begießen Morgens früh und Abends nach Sonnenuntergang. Kohlpflanzen werden fest und tief gepflanzt; jedoch muß man bei allen solchen Pflanzen die Vorsicht beobachten, daß die Herzen derselben nicht mit Erde bedeckt werden. Von Sellerie und Porro schneide man oben die Spitzen ab.
Im Monate Februar kann man in Ermangelung von Mistbeeten Kasten mit guter Erde füllen, in diese ausgeschlagene Eierschalen mit Erde gefüllt der Reihe nach setzen, und in die Eierschalenerde frühe Erbsen, Bohnen, Monats-Radieskörner, Kresse, Salat etc. zum Verpflanzen setzen, sowie auch Schnittsalat, der frühe schon aus dem Kasten abgeschitten werden kann. Der Kasten muß vor Frost bewahrt, feucht erhalten und luftig gestellt werden. Sobald die Witterung es erlaubt, setzt man die Pflanzen in Land, das im Herbst umgegraben ist, jedoch behutsam, damit sie nicht im Wachsthums gestört werden. Die Eierschalen nimmt man mit den Pflanzen heraus und drückt jene durch.
Wo Mistbeete sind und Gärtner gehalten werden, hat man dergleichen nicht nöthig. Es ist deshalb hier die Rede davon, was zu beobachten ist, wann eine Hausfrau ihren Küchengarten selbst bestellen läßt. Sie achte darauf, daß Sämereien nicht zu früh in die Erde gebracht werden, namentlich solche, die keinen Frost vertragen können. Erlaubt es die Witterung, so kann sie schon im Monat Februar folgende Sämereien in die Erde bringen: Körbel, Melde, Petersilienwurzeln, Scorzoner- und Haferwurzeln, Salat, Sommerspinat, Möhren, Petersilie, weißen Kohl, Kohlrabi, Blumenkohl, Zwiebeln, Schnittkohl, Mohn, Wurzeln, Porro, Sellerie und Erbsen. Die Art und Weise, wie solches geschieht, sind auf nächsten Seiten genau angegeben.
Im April kann schon die zweite Aussaat wiederum beginnen. Um die Brauchbarkeit dieser Anweisung zu erhöhen, habe ich auf kommender Seite in einem Register angegeben, wie lange Sämereien brauchbar sind.

Fortsetzung: “Wie die sorgsame Kräuter- und Gemüsegärtnerin anno 1845 ein Spargelfeld anzulegen hatte.”


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