Omas Jahre

Ritters Gartenbuch (anno 1846) Tipps für November

Anno 1846 schlug das “Gartenbuch” für die Gärten folgende Arbeiten vor:

 

Küchengarten

In diesem Monate kann man noch nachholen, was im vorigen versäumt wurde. Den in den Mistbeeten stehenden härteren Pflanzen, z. B. Wintersalat, Winterblumenkohl etc., muß man bei trockener Witterung, wenn es nicht friert, viele frische Luft geben. Die Bohnenstangen müssen ausgezogen und auf Haufen oder unter Dach gut aufbewahrt werden. Gemüsesamen werden gereinigt und in einem frostfreien Zimmer aufbewahrt. Mit dem Graben und Rijolen wird fortgefahren. Auch können noch Erdmagazine angelegt werden, wozu man die Mistbeeterde, mit Laub, Holzerde und Rindviehdünger vermischt, verwenden kann. Die schon früher angelegten Erdmagazine, Unkraut- und Düngerhaufen werden umgestochen, damit die Winterfeuchtigkeit recht eindringen und ihre Fäulniß befördern kann. Bei offenem Wetter können in geschützte, nicht zu feuchte Beete, die schon im vorigen Monate zubereitet worden sind, noch ge- säet werden: Karotten, Mangold, Melde, Kerbel, Schnittkohl, Thymian, Petersilie, Rapunzel, Zuckerwurzeln, Spargel etc. Verpflanzt wird noch Braunkohl, jedoch mit ungewissem Erfolge. Die im Freien zu überwinternden Artischockenpflanzen müssen nun mit Baumlaub oder Mist bedeckt werden; vortheilhaft ist es, vorher einen Blumentopf über dieselben zu stürzen, wo sie dann nicht so leicht ersticken. Sellerie, Möhren, Porree, alle Kvhlarten, Rapontica, werden mit Laub oder Streu bei eintretendem Frostwetter bedeckt. Die Zuckerwurzelstauden werden ausgehoben und eingeschlagen.

  Baumgarten

Man fährt fort, Obstsamen zu sammeln, welcher auch noch gesäet werden kann, wenn die Erde offen und nicht mit Schnee bedeckt ist. In diesem Falle kann man auch noch Bäume, Stachel-, Johannis- und Himbeersträucher versetzen. Bei gelindem Wetter werden die Spalier- und Zwergbäume, so wie die Johannis- und Stachelbeersträucher beschnitten, auch kann man bei freier Zeit das Spalierlattenwerk ausbessern und neu anlegen. Die Verzäunungen der Obstgärten werden ausgebessert und die Bäume an den Stämmen mit Gesträuch von Schwarz- und Weißdorn wilden Heckenrosen etc. umgeben, und dadurch gegen Wild geschützt. Wallnußbäume sind jetzt auszuputzen, weil dies im Frühjahre nicht geschehen darf. Bei heiterer Witterung können von jetzt an bis zum Frühjahre Bäume copulirt werden. Sehr vortheilhaft ist es, zu den im künftigen Frühjahre zu setzenden Bäumen schon jetzt die Gruben zu machen, damit die Erde durch Einsaugung der Winterfeuchtigkeit mürbe und fruchtbar wird; auch ist es nothwendig, daß man die jungen Bäume, die noch an Pfählen stehen, nachsieht und sie anbindet, damit ihnen der Wind keinen Schaden zufügen kann.

Weingarten

In den Weinbergen werden nach beendigter Weinlese die Pfähle ausgezogen, welche Arbeit am leichtesten von Statten geht, wenn man den Pfahl vorher einige Male hin und her bewegt. Die ausgezogenen Pfähle stellt man in Hausen zusammen, und zwar so, daß der untere Theil derselben, welcher in der Erde gesteckt hat, in die Höhe zu stehen kommt. Sehr zertretene Weingärten soll man nach der Weinlese wieder behacken, damit die Regen, welche um diese Zeit einfallen, zu den Wurzeln hineindringen können, und das Unkraut, wenn dessen Wurzeln zeitig ausgehauen und von den Reifen in der Folge verderbt werden, desto eher ausgerottet wird. Man düngt ferner das Holz in den Gruben, und senkt, wenn das Holz reif ist und es die Umstände erlauben. In einem kalten Klima, und besonders in niederen Weinbergen ist das Beziehen oder Bedecken der Weinstöcke mit Erde zum Schutze gegen den Frost nöthig. In gelindem Klima unterläßt man diese Erdbedeckung.

Blumengarten

Sind Pflanzen, die überwintert werden sollen, noch nicht unter Obdach gebracht, so muß es jetzt gleich nach dem ersten Nachtfröste geschehen; auch Nelken, Goldlack, Levkojen, Ros­marin und Aurikeln werden in Schutz gebracht, doch schaden ihnen einige Nachtfröste nicht, wenn sie nur trocken sind, welches letztere bei allen Gewächsen zu beobachten ist, welche man in’s kalte Zimmer bringt. Sollen die Winterkasten eingerichtet werden, so wird es jetzt hohe Zeit; eben so darf man mit dem Düngen und Umgraben der Beete und Erdmagazine nicht länger säumen. Fällt in diesem Monate schon strenge Kälte, so müssen die Blumenzwiebeln im Lande mit Lohe oder leichtem Strohmist bedeckt werden. Zwiebeln von Hyacinthen, Narcissen, Tulpen etc., die etwas später getrieben werden sollen, werden in diesem Monate in Töpfe gelegt. Im Treibhause richtet man Lohbeete ein und die Heizung desselben nimmt zu. Gegen Ende dieses Monates kann man mit dem Treiben einiger früheren Hyacinthen, Tulpen, italienischer Tazetten, persischen Schwertel (Iris persica) anfangen, und sie zu dem Ende, bei mäßiger Befeuchtung, an die Fenster eines geheizten Zimmers stellen. Ueber die Hyacinthen deckt man Gläser, damit sie nicht durch Rauch und Staub leiden.

Lustgarten

Die zärtlicheren Bäume und Sträucher werden an der Wurzel mit Laub oder Moos belegt; wenn die Kälte stärker wird, schützt man die Stämme mit Fichtenreis oder Stroh. Mit der Winterpflanzung dauerhafter Sträucher wird fortgefahren. Verschiedene Sämereien, besonders die mit harter Schale, in die Pflanzenbeete zu legen.

Orangerie

Die Orangerie wird trocken und bei höchstens 6° Réaum Wärme erhalten. Bei Heller und gelinder Witterung öffnet man fleißig die Fenster, verwahrt aber diese mit Läden gegen die eindringende Kälte; auch sorgt man dafür, daß zum Gießen immer temperirtes Wasser vorhanden ist.

02.11.2020


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