Omas Jahre

19.Jh bis heute – Schädling Wühlmaus

Seit Urzeiten ein Dauerthema:

Plagegeist:
Wühlmaus
(Fresswolf) 

Nicht erst heute ist dieser Nager ein lästiges Wesen.
Bereits in früheren Jahrhunderten war das massenhafte Auftreten von Wühlmäusen ein bekanntes und lästiges Thema bei Gartenfreunden, Wiesenbesitzern, Weidetierhaltern und Forstleuten.
Auch unsere Vorfahren hatten nachweislich mit dem Wühler eine schwere und wirtschaftlich sehr nachteilige Last und es gab – wie auch heute – anhaltende, wechselhaft erfolgreiche Versuche den Schädling möglichst dauerhaft zu beseitigen. Zumal es ihn in unendlich vielen Arten und allen denkbaren Verbreitungsgebieten gibt.

1.
Johann Albert Ritter’s allgemeines deutsches Gartenbuch – 1846
Auf Seite 406 seines allgemeinen deutschen Gartenbuchs veröffentlicht J.A.Ritter folgendes zum Thema Ratten (gemeint sind Erdratten, Wühlmäuse):
“Oft werden ganze Baumpflanzungen durch die Ratten vernichtet (siehe auch Absterben der jungen Bäume / Seite 35 – hier “Erdratten”).
Man vertreibt sie auf folgende Weise:
Man gräbt da, wo der Baum gestanden, ein großes Loch, beobachtet die Gänge, welche sich rund herum verbreiten, wo man zuletzt in einem derselben ein förmliches Magazin von Baum- und anderen Wurzeln finden wird.
Kann man das Thier nicht ansichtig werden, so bleibe einer bei dem Loche mit der Schute in der Hand stehen (damit sie nicht entwische), indeß ein Anderer recht viel Wasser herbeiholt, so daß man nichts nachzuholen braucht.
Nun gieß man schnell einen Eimer voll nach dem andern in das Loch, so daß es mit Gewalt in die Gänge stürzt, höre aber nicht auf gießen, so lange sich das Wasser in den Gängen verliert.
In den meisten Fällen wird das Thier mit einem Getöse aus einem der Gänge hervorkommen, wo man, da diese Thiere sehr schnell zu entfliehen suchen, nicht säumen muß, sie zu tödten.

Auch in den Mistbeeten richten die Ratten oft großen Schaden an, daher man beim Anlegen derselben wohl darauf achten muß, daß man mit dem Dünger dergleichen Ungeziefer nicht hineinbringt.

Eine Falle ist hier das sicherste Mittel, um diese schädlichen Thiere zu entfernen.
Durch die Mischung von von 1 Theil Phosphor-Latwerge und 1 Theil Blut kann man sie ebenfalls tödten. Diese Mischung wird unter einander gerührt und in kleinen Portionen auf Ziegelsteine gelegt.

2.
Brumhard schrieb im Mai 1852 in Schotten im Vogelsberg einen Beitrag, welcher in der Allgemeinen Forst- und Jagd-Zeitung auf Seite 156 veröffentlicht wurde.
„Ueber den Schaden, den die Wühlmaus (Hypudaeus terrestris) in den Waldungen anrichtet, und die Mittel, sie zu fangen.“
Der Autor berichtet über die Wühl- oder Scharmaus als einen der gefährlichsten Feinde der Pflanzkämpe und Laubholzkulturen, der besonders im Winter 1851 in den Eichen- und Ahornplantagen Tausende junger Bäumchen zu schaffen machte. Mitunter sogar 1-Zöllern die Wurzel so abbiss, dass diese abstarben.
Um den Schädling zu „tödten“, müsse man ihn mit Schnapp- oder Bügelfallen, in den Gängen des Tieres aufgestellt, fangen. Mit vergiftetem Getreide und dergleichen, welches gegen übrige Mäusearten hilft, kommt man der Wühlmaus nicht bei.
Als Helfer könnten von den Gemeinden entlohnten Maulwurfsfänger aufgerufen werden.

3.
Nach Vincenz Hirsch (Obergärtner der Kärntner Landwirthschafts-Gesellschaft) ist die Wühlmaus (Hypudaeus terrestris) ein bekannter Feind des Obst- und Gartenbaues. Ihre Heimstätte, ihr Nest befindet sich etwa 30 bis 40 cm tief in der Erde. Sie ist wählerisch und ernährt sich vorzugsweise durch das Benagen der Wurzeln der Möhre, des Petersilie, des Sellerie, des schwarzen Holunders und des Apfelbaumes. Sie bringt sogar erwachsene Bäume zu Tode.
Weder Fangeisen, Gift, übel riechende Stoffe – in den Laufgängen ausgelegt – bringen Erfolg.
Es helfe lediglich das Erschießen.
Die Wühlmaus scheut das Licht und mag keine Zugluft.
Man öffne also die Gänge mit einer Haue, um Licht und Luft eindringen zu lassen und prüfe nach etwa einer halben bis einer ganzen Stunde, ob die Gänge noch offen sind. Sollten sie bereits geschlossen sein, so öffne man diese erneut und stelle sich mit schussbereitem Gewehr einige Schritte von dem Loche auf den Anstand. Binnen 5 bis 10 Minuten, längstens nach einer Viertelstunde, erscheint die Wühlmaus und sucht die Öffnung erneut zu schließen. Jetzt muss der Schuss erfolgen.
Erfolgversprechend sei es, die Gänge an mehreren Stellen zu öffnen und diese fortlaufend zu überprüfen.
Auf diese Weise habe die Landesbaumschule Freudenberg 75 Wühlmäuse erlegt. Darunter trächtige Tiere. In Summe waren es dadurch mehr als 100 Gartenschädlinge, denen der Garaus gemacht werden konnte.
Danach und seither traten die Wühlmäuse nicht mehr in so einer großen Zahl auf. Lediglich hie und da vereinzelte Exemplare.
Veröffentlicht in:
„Jahrbuch für Gartenfreunde und Botanik des Jahres 1887 / 1888 – Seite 309 – Kleinere Mittheilungen“.

4.
Die große Wühlmaus, (auch Fresswolf, Hamaus, Schermaus genannt)ist sicher am meisten gefürchtet, weil sie große Verheerungen in Feld und Garten anrichtet.
Bekämpfen muss man den Schädling zusammen im Verbunde mit seinen Gartennachbarn, ansonsten sind alle Bemühungen umsonst.
Der königliche Ober-Hofgärtner W. Tatter in Herrenhausen sagte: „Wurzeln der Bäume sind bereits total zerfressen, ehe der Gärtner nur eine Ahnung davon hat.“
Feinde der Wühlmaus sind: Hermelin, Wiesel, Waldkauz, Schleiereule, Iltis und Katze.
Fallen oder eingegrabene Topfe mit glatten Wänden sind ungeeignete Abwehrmittel.
Als einzig wirksames Mittel (nach Schacht) ist das Öffnen der Gänge, um Licht und Luft eindringen zu lassen. Schon nach wenigen Minuten taucht die Wühlmaus auf und beginnt die Öffnung zu verschließen oder die Öffnung durch einen neuen, tieferen Gang zu umgehen. Um die Wühlmaus hervorzulocken, legte man eine Petersiliewurzel, eine Lieblingsspeise des Fresswolfs, vor die Öffnung.
Beim Hervorkommen bläst man ihr das Lebenslicht aus.
Das wäre kein edles Waidwerk, weil das Rattenvieh keines Schusses Pulver wert sei, aber die Gärtner Westfalens, von einer Mäuseplage geschädigt, hätten sich keines besseren Mittels bedienen können.
Angemerkt wird noch, dass man die Gänge nicht mit seinen Händen aufgraben dürfe. Die Mäuse hätten eine feine Witterung.
Weiter übernimmt der Autor A. Voß die Veröffentlichung aus dem Jahrbuch für Gartenfreunde und Botanik – 1894.
Quelle:
Grundzüge der Gartenkultur. Gemeinverständlicher Leitfaden für Unterricht und Praxis – 1894 – Seite 207

5.
In der „Zeitschrift für alle naturwissenschaftlichen Liebhabereien – Verkehrsblatt für naturgeschichtlichen Kauf und Tausch – Nr. 38 des XI.Jahrgangs – vom 23. September 1886 – Seite 297
wird der Beitrag von Vincenz Hirsch vollständig wiederholt.

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