Omas Jahre

1824 – Nützliches Buch für die Küche = VORWORT

Nützliches Buch für die Küche ….
August Erdmann Lehmann – 1824


 

Vorrede

Man vermuthe nicht, wie schon der Titel besagt, ein gelehrtes, in ausgesuchten und künstlichen Worten abgefaßtes Buch in Händen zu haben. Für gelernte und geübte Köche habe ich dieses Werk auch nicht geschrieben, denn die wissen das Alles schon, und können daher dies Buch entbehren.
Es giebt aber auch Anfänger, denen nicht schaden könnte, sich dieser Anweisung zu bedienen.
Auch darf man sich durchaus nicht mehr schämen in einem Kochbuche zu lesen, da Viele verleugnen, daß sie selbiges haben, und sogar verborgen darin lesen. Sonst hielt man es für ein sehr böses Zeichen, wenn eine Köchin nach dem Kochbuche einige Versuche machte, und einem Koch wurde zu der Zeit der Degen verweigert, wenn man wußte, daß er in einem Kochbuche gelesen habe.
Man sollte und mußte allein auf Unkosten der Dienstherrschaft seine Uebungen und Kunst erlernen und fortsetzen, so wie es auch heutigen Tages noch zu finden ist. So ist es denn endlich der Kochwissenschaft zu Ehren gelungen, obigen Dünkel zu verdrängen, und daß man jetzt viel aufgeklärter denkt, ergiebt sich schon daraus, weil nur allein von meinem Kochbuche bereits 3740 Exemplare verkauft worden sind.

Keine Bücher! keine Gelehrte!
Meine Absicht war, kein neues, sondern ein anderes, deutliches und zugleich ausführliches Kochbuch zu schreiben. Es ist eigentlich für Frauenzimmer bestimmt, von welchen ich veranlaßt worden bin, ihnen die Zubereitung der Speisen, mit genauer Anzeige des Maaßes und Gewichts, zu beschreiben, welches ich denn auch hiermit aufrichtig nach meinen Einsichten und Erfahrungen gethan habe.

Wer nach diesen Anweisungen Versuche machen will, lese jedes Recept und jede Beschreibung sehr genau, langsam und einige mal durch, befolge die Vorschrift pünktlich und nach der Ordnung, so wie es da steht, dann wird es gewiß gelingen.
Auch versuche man zuerst niemals mehr als ein Gericht, bis man etwas dreuster und geübter ist, alsdann fertige man mehrere Speisen auf einmal, denn das Kochen verlangt viel Aufmerksamkeit und Zeit. Es ist sehr vielem ausgesetzt, denn man hat mit allen vier Elementen zu thun und fast für alle fünf Sinne zu arbeiten, und, hinsichtlich der zum Speisen-Verfertigen erforderlichen Artikel, ist dabei ein beständiger Wechsel und Veränderung in der Jahreszeit zu beobachten; denn alle 14 Tage ist das Kochen einer großen Abänderung ausgesetzt, und bei allen Sachen ist eine andere Behandlung nöthig, denn die Küche ist ein Land, in dem die Entdeckungen und Beschäftigungen kein Ende nehmen.

Zwei Worte sind es, worauf es beim Kochen hauptsächlich ankommt, nämlich: Wann und Was.
Z.B. Wann setzt man die Cottelets zum Abbraten aufs Feuer, daß sie zu der bestimmten Zeit fertig werden?
Wann muß man sie umwenden? Wann sind sie genug gebraten?
So auch: Was fehlt an dieser oder jener Speise? Was muß noch geschehen, ehe sie das Gehörige bekömmt? Was muß man zugießen und zuthun, damit sie den gewünschten und rechten Geschmack erhält? Was muß man endlich thun, wenn etwas verbrannt ist?

Alle diese Fragen müssen sich Kochverständige richtig zu beantworten wissen. Noch eine sehr unbehülfliche Sache ist vorzüglich bei der sogenannten Maschinen-Kocherei.
Daß man Alles mit Tüchern oder Hadern angreifen muß, dieses macht sie sehr schwer und mühsam. Man sollte überhaupt diejenigen, die sich dieser Sache widmen und Uns die Speisen fertigen, rücksichtlich des Tadels, mit weit mehr Schonung behandeln, als es leider geschieht, da diese Geschäfte sehr verdrießlich und mit gar vielen Unannehmlichkeiten verknüpft sind.
Jedermann, der sie kennt, wird einsehen, daß diese Beschäftigung nicht allein anstrengend und schmutzig, sondern höchst undankbar und alle Morgen neu ist. Man muß zu diesem Fache eigentlich, wie man sagt, geboren seyn. (Es sind nicht Alle Köchinnen, die weiße Schürzen tragen.) Sie haben weder Sonn- noch Feiertage, und wenn Alle vergnügt und lustig sind, so hat die Köchin am mehrsten zu thun.
Das etwanige gute Essen und das gezwungene Kosten behagt ihr am wenigsten, und Niemand soll es ihr beneiden.
Es ist gar nicht angenehm, sich mit dem Küchenwesen befassen zu müssen, und man verdenkt es keiner Frau, daß sie an solchen Tagen, wenn ihr Mann oder Herr anderswo zu Tische ist, sich blos mit einer Suppe oder mit Kaffe begnügt.
So ist es vieler Frauen und Köchinnen größte und wahre Noth, die Küche zu besorgen. Es ist sehr zu bedauern, daß es den sonst so guten Geschöpfen an den dazu durchaus erforderlichen Kenntnissen fehlt. Diese erstrecken sich öfters blos auf das, was sie von ihrer vorigen Köchin abgesehen haben, und wo hat die es denn eigentlich gelernt? Auf alle Fälle von sich selbst, oder, wie bekannt, auf Unkosten ihrer Herrschaften.

Es ist sonderbar, daß man so wenig für seine Nahrung und Lebenserhaltung besorgt ist. Jedes bißchen Medecin wird in der Apotheke von verpflichteten Menschen bereitet, aber das Essen, wovon man viel genießt um satt zu werden, läßt man oft von einer Wäscherin, kochen, die weder verpflichtet ist, noch gelernt hat, für den Magen, als unsichtbaren Regierer aller Menschen, der dieselben zur Thätigkeit anspornt und die Triebfeder aller menschlichen Beschäftigungen ist, zu sorgen. Kommen wir aus der Kirche, aus der Komödie, aus dem Konzert, von der Reise, aus der Schlacht, aus der Werkstatt, aus dem Bergwerke, von einem Leichenbegängnisse, aus dem Verhör, so wird man sich an den Tisch wünschen um zu essen, und ist nicht auch das Essen bei jedem Feste ein Hauptgegenstand?
Alle drängen sich an den Tisch, und wie wohl befindet sich der Mensch, wenn er mäßig gesättigt ist, und welch ein ruhiger Schlaf erwartet ihn. Die Geisteskräfte sind mit dem Magen in Verbindung; daher wohl dem, der mit ihm in Frieden lebt, dann ist sein ganzes Thun und Lassen froh; hat man zu viel gegessen, so zeigt sich Verdruß am ganzen Menschen, schmeckt es einem nicht mehr und der Magen versagt seinen Dienst, so ist der frohe Sinn dahin.
Nicht umsonst ist das Sprichwort: ich wünsche wohl gespeist zu haben!
Es liegt viel darin, aber Niemand achtet darauf.
Kurz, von der gehörigen Befriedigung des Magens kömmt alles, die Leichtigkeit, womit der Mensch sein Amt verrichtet, sein freundliches Benehmen, womit er andere entzückt, die ganze Gesundheit und die frohe Laune, die der Mensch besitzt, dieses kann man von einem wohlgepflegten Magen erwarten, und mit welcher Freundlichkeit führt ihn Bruder Appetit zu Tische. Dort hat er Lebensgenuß, und wenn er immer sich mäßig benimmt, so genießt er lange und froh. Wer seinen Magen irgend überladet, behandelt ihn barbarisch, darum sollte jeder Essende ihn durchaus brüderlich behandeln, und wissen, daß jede Ueberfüllung augenblicklich für ihn schädlich und in der Folge, es sey beim Essen oder Trinken, sehr gefährlich seyn kann; denn aus ihm entstehen die meisten Krankheiten.
Man muß sich aber auch nicht gar zu ängstlich dabei benehmen, und immer sagen und sich einbilden, dieses oder jenes ist oder könnte mir schädlich seyn, und das hat man mir zu essen verboten. Nein, man esse was einem schmeckt, und lieber viel als wenig, dabei sey jeder Mensch sein eigener Arzt und merke auf das, was ihm bekömmt.
Auch muß man sich Zeit zum Essen nehmen, und nichts zu groß, wohl gar roh verschlingen, sondern sehr klein kauen oder schneiden, (man sehe das Landvolk). Also man esse alles weich, kräftig, warm, langsam und mäßig, auch mitunter ein Stückchen fettes Fleisch, mit frohem Sinn und gutem Gewissen, dann schmeckt jeder Bißen, und wird und muß gedeihen.
Auf seinem Teller Essen und in seinem Glase Wein lassen, sind die größten Beleidigungen, die einem Wirthe zugefügt werden können. Auch ist die Gewohnheit des vielen unnützen Wassertrinkens beim Essen gar nicht lobenswerth, weil man sich dadurch den Appetit verdirbt, den Geschmack jeder Speise verdrängt und den Magen in seiner Arbeit stört. Wenn das Speisen beendigt ist, dann trinke man um Durst willen.

Nachtheilig für den gehörigen Mittagsappetit sind ferner die so sehr Mode gewordenen Eßwaaren-Magazine, welche ganze Hügel von Cervelaten aller Arten, Caviar- und Austern-Tafeln zum Frühstück darbieten.
So findet man auch unwiderstehliche Kuchen jeder Art, die dem erstaunenden Auge dargestellt sind. Man möchte immer dabei der sechsten Bitte eingedenk seyn und einen hohen Grad der Enthaltsamkeit besitzen, wenn man ohne Verletzung des zehnten Gebotes vorübergehen will. Trotz der theuren Preise dieser Waaren, spült man sich noch überdies den Mund mit vortrefflichen Liqueurs und schweren Bie­ren, die den Magen curiren sollen.
Man muß gestehn, daß Magen, die eine solche Lebensart aushalten können, eine Art von Bombennatur haben müssen, und obgleich diese fremden Waaren nicht wohlfeil seyn können, so bereut doch keiner, der sie kauft, sein Geld, und giebt es willig in andre Hände. Diesen aber verhilft der Genuß zu einer Jubelphysiognomie, welche der Stempel aller Kinder des Komus ist. Ja alles kommt vom Magen, und seiner gedenkt man sehr oberflächlich. Wohl aber betrachtet und erkennt ihn die medicinische Facultät als ihren wahren Freund und widerspenstigen Feind; denn sie machen fast bei allen Krankheiten den ersten Ueberfall auf ihn, weil er schwer zu ergründen ist. Darum wollen wir ihn recht nach diesem Buche nähren und als unsern ersten besten Freund betrachten.

Dieses Buch führt den eignen Titel: Nützliches Buch; ich kann mit Ueberzeugung sagen, daß ich bei Verfassung der ersten und zweiten Auflage diesen Zweck vor Augen gehabt habe, indessen man lernt niemals aus, und so sind meine Erfahrungen in diesem Fache seit dieser Zeil beträchtlich vermehrt worden. Selbige sind nun in dieser dritten Auflage enthalten und zur leichteren Uebersicht diese Speisen mit einem (X) versehen.

Dieses Buch können wir täglich und auch die Nachkommen gebrauchen, und man glaube ja nicht, daß man es zu theuer bezahle.
Man kauft ja oft Bücher, worin wenig Nützliches zu finden ist. – So ist es auch zu bewundern, daß man die Töchter im Nähen, Stricken, Sticken, Clavier u. dgl. unterrichten läßt, hingegen das Kochen und was dazu gehört, sollen sie von selbst lernen, oder halten es für zu unbedeutend, um es ihnen praktisch erlernen zu lassen. (Unter einer sehr alten Regierung soll die Kochkunst mit der Tanzkunst zugleich gelehrt worden seyn;) da man aber auch bedenken sollte, daß gerade die Zubereitung der Speisen ein Haupterforderniß bei ihren etwanigen Verheirathungen wird. Diese ist jeder Frau vom Hause unentbehrlich, und es wird gleichsam als ein Zeichen guter häuslicher Erziehung erkannt, wenn sie’s versteht; denn der Mann will zu Mittage essen.
Dieses nicht Erwartete hat wohl schon hier und da einen kleinen Keim zum ersten Unwillen hervorgebracht. Auch wird bisweilen mancher Frau und Köchin die Lust zum Kochen benommen, da es gar zu sehr an den nöthigen Geräthschaften fehlt, und manche Herrschaft glaubt an einer Küche genug zu haben, worin man weinen möchte. Auch werden der Köchin oft zu lange die Sachen vorenthalten, die man im Verschluß hat, und ist dann selbst Schuld, wenn die Speisen zu spät ans Feuer kommen und am Mittage nicht genießbar sind. Das ist eine sehr böse mißtrauische Gewohnheit und es wäre zu wünschen, daß man davon zurück käme, denn zum Speisen-Verfertigen gehört viel Zeit.

Man sollte diejenigen, die uns das Essen verfertigen, nachsichtsvoller behandeln, und ihnen mehr Zeit dazu geben, (da es überdies den mehrsten Menschen nicht von Händen geht,) auch ihnen öfters mit einem Lob ermuntern, ihren täglichen Fleiß bemerken, damit sie sich mit gutem Willen in der Küche beschäftigen, denn durch den Schein der Zufriedenheit werden viele Menschen gewonnen.
Es ist wohl wahr, wenn eine Speise zu hart, schwarz, versalzen, roh und gar verbrannt ist, so verdient es mehr als Tadel, (wenn nicht etwa die zu späte Herausgabe oder Bestellung daran Schuld ist,) wenn aber eine Speise etwas braun, zu blaß, zu dicke, oder zu dünne gerathen ist, so ist es ja kein Unglück. Durch liebreiche Zurechtweisung wird man suchen, es künftig besser zu machen, wenn nämlich guter Wille dabei ist, und dann bediene man sich stets der Ermahnung eines rechtlichen Mannes, welche also anhebt: Er — der Obere — soll ihnen — den Untergebenen — zu gebieten haben, — sich mit ihnen auch freundlich und gütlich vertragen können. Seine Gebote und Befehle sollen nicht mit stolzen, aufgeblasenen, hochtrabenden, unbescheidenen und ungestümen Worten, Schelten, und Poltern, sondern mit aller Sanftmüthigkeit, Freundlichkeit und Bescheidenheit geschehen, also daß sein Hausbefehl, Anordnen und Anschaffen mehr für ein freundliches Bitten und Begehren gehalten werde. Denn mit vielen ungestümen Schreien, Poltern, Schimpfreden und höhnischen Erinnerungen richtet man wenig aus, schadet sich an seiner Gesundheit, und der Dienende wird dadurch verirrter, halsstarriger und unwilliger.
Wenn der Dienende den Willen des Herrn nicht befolgt, so ist es am besten und rathsam, man lasse ihn in Frieden dahin ziehen, wo er seines Gleichen findet, ohne weitere Reden und Erklärungen über das warum? Denn wer so ist, der bleibt so, und ändert sich sehr selten. Eine vom Wurm durchstochene Frucht wird nie wieder rein.
Aber auch vergesse man nie, welch eine traurige Nothwendigkeit es ist, daß ein Mensch dem andern dienen muß.
Hingegen muß sich aber auch der Dienende stets angelegen seyn lassen, durch einen guten Lebenswandel, durch Treue, Fleiß, Reinlichkeit und anständige Manieren, so ganz ohne Dünkel, das gute Zutrauen und eine liebreiche Behandlung, von Seiten seiner Herrschaft zu erwerben, und durch guten Willen und freundliches Benehmen sich bei derselben beliebt zu machen. Er darf nicht auf seine eingebildete Kunst und etwanige Empfehlung trotzen, denn blos das Benehmen erhält ihn mit andern in Verbindung und nicht unbekannt ist, daß der Koch und die Köchin bei wenig Herrschaften geehrt werden dies kömmt daher, weil sie bei ihrer Dienstleistung beständig Geld und Geldes Werth nöthig haben, wodurch denn nothwendig ein Mißtrauen entstehen muß, und man auch zu wenig das Fach kennt, welches sie zu besorgen haben.
Ferner müssen sie auch einen abgezwungenen Widerspruch leisten, weil man von ihnen zu mancher Zeit Sachen verlangt, die nicht erfüllt werden können, indem nicht mehr Zeit ist sie zu fertigen, oder sie nicht mehr zu bekommen sind.
Der Koch und die Köchin sind diejenigen, welche ihrer Herrschaft deshalb Vorstellungen zu machen haben, wenn man vor dem Anrichten den Küchenzettel oft noch ändern will. Letzteres läßt sich aber schwer ändern, weil die Speisen bereits vollendet sind. Ob es aber zweckmäßigst, daß eine sogenannte Köchin, die für sich selbst albern einkauft, den Einkauf für ein Hauswesen, besorgen und verstehen soll, steht dahin.
Der Einkauf ist oft weit schwieriger, als das Kochen selbst.
Mancher Koch oder Köchin würden weit besser bei ihren Herrschaften in Ansehn stehen und geehrt werden, wenn man nicht den Einkauf von ihnen verlangte, wobei sie in der Küche viel versäumen, und dann eilen, wenn sie die Zeit versehen haben; auch wird ihnen dadurch viel Gelegenheit zu andern Unternehmungen benommen. Diesem abzuhelfen , lasse man einer andern verständigen Person den Einkauf besorgen, und alles Gute kaufen, denn das Theuerste ist immer das Wohlfeilste. Es giebt aber Unkundige, die sogenannten Wohlfeilen, welche alles Schlechte in die Küche liefern und daselbst wieder gut gemacht werden soll.
Aus einem dürren Hahn wird nie ein zarter Kapaunbraten werden.
Man wage ja nicht zu sagen, daß man den Einkauf verstehe, und alle Zeit richtig einkaufe. Der Ruhm, wohlfeil eingekauft zu haben, liegt jedem Menschen nah. Man kauft nicht gerne theuer, aber kann mehrentheils überzeugt seyn, daß man schlecht gekauft hat. Jeder und alle Verkäufer kennen ihre Waaren, und können dann auf den ersten Anblick und Anrede den Käufer beurtheilen. Ein Unerfahrener kauft ohne zu bieten und den Verkäufer zu beleidigen. Man beklage sich nicht, wenn eine Köchin schlecht und zu theuer einkauft, sie ist entweder zu verdrüßlich oder denkt an andere Sachen, weil sie zu dem Fach nicht paßt, in welches man sie gleichsam gedrängt hat. Dabei geht sie immer ehrlich zu Werke, man verlangt zu viel von ihr. Sie ist Miethling; es giebt zwar wohldienende, unkundige, die alles nicht theuer zu kaufen verstehn und sich oft in die Tasche lügen; denn wer flinkert nicht gerne mit so etwas? Wenn sie die eingekaufte Waare nur auf den Küchentisch gelegt haben, so mag die arme ängstliche Köchin sehen, wie sie etwas Gutes und Schmackhaftes daraus macht. Das Küchenwesen ist ein gar nicht lobenswerthes Fach, es ist mit so vielen Verdrüßlichkeiten und Nachdenken verbunden, daher geräth auch der Köchin wenig, und man hat, wie bekannt, seine wahre Noth, wenn es noch außerdem mit Mißtrauen verknüpft seyn sollte. Dies kann auf beschriebene Art nicht anders kommen, die Herrschaft spricht nicht oft mit ihnen, weil sie immer etwas verlangen und zu erinnern haben; dann ist es noch schlimmer, wenn es durch andere Dienstboten geschieht, die gewöhnlich etwas hinzusetzen. Es wäre zu wünschen, daß eine jede Herrschaft sich oft und gern mit ihrem Koch oder mit ihrer Köchin unterhielte, alles selbst mit ihnen abmachte, aber durchaus nie mit diesem oder jenem Dienstboten ihre Befehle zuschickte. Dies verursache Erbitterungen und ist für jede Herrschaft nachtheilig, wenn man durch Dienstboten andern seinen Unwillen fühlen und sagen läßt. Dadurch werden sie sich einander fremd, gleichgültig, und ist ihnen bei immerwährender Unzufriedenheit nicht zu verargen, wenn sie sich auf andre Art entschädigen, und sich vielleicht gar dem Trunk ergeben; denn mancher brave Koch ist schon bei dieser Behandlung so verdorben worden, daß er sein ganzes Lebensglück dabei vereitelt sah. (Welcher Nachtheil für Beide!)

Wer einen ordnungsliebenden,
reinlichen Koch oder Köchin
in Dienst hat,
der ist wahrlich glücklich,
und den halte man in Ehren
.

Hier heißt es auch, wen der König schütze den ehrt das ganze Land !
Auch rechnet man dem Koch und der Köchin die Reinlichkeit zu hoch an, die aber nicht gehörig unterstützt wird. Die arbeitende Klasse kann nicht immer so reinlich einhergehen und erscheinen, als die gebietende. Auch fehlt es oft an den dazu erforderlichen Reinigungsbedürfnissen, wohl gar an der Seife und an Tüchern aller Art.
Wenn nun noch Verachtung und Abneigung zu spüren ist, dann bleibt ihnen so zu sagen das Küchenleben übrig. Sie schleudern so etwas in der Küche zusammen, und es geht so lange, als es geht. Die Herrschaft leidet natürlich immer dabei.
Die Leute thun sich einander alles zum Possen, tragen allen Schmutz in die Küche, wenn z. B. etwas von der Post kömmt, wenn das Schooßhündchen gebadet werden soll, wenn die Jung­fer waschen soll, so wird alles in der Küche vorgenommen.

So fand man ohnlängst in einer schönen wohleingerichteten Küche auf dem Anrichttische 6 messingene Leuchter, die ihren Putzer erwarteten, daneben standen der gnädi­gen Frau und der Jungfer Schuhe, welche die Köchin sogleich putzen sollte, die sich aber weigerte, weil sie eben Klößchen formiren wollte; dann kam ein grüner Gegen­stand, ein Haufen roher Spinat, der eben den Korb verlassen und nach seinem Vorleser schmachtete, welcher auch schon ein großes Faß Wasser mitten in der Küche zu seiner Aufnahme darbot, aus dem der große Hund bereits zweimal seinen Durst gelöscht hatte. Noch waren verschiedene Sachen unter dem Tisch wohl verborgen, sonst hätte sie der Kutscher, der eben einiges Pferdegeschirr, (um es am Feuer einzuschmieren,) auf den Tisch warf, zerbrechen können. Auf einem großen Heerde lagen Verschanzungen von Steinkohlen-Asche nebst Eierschaalen, welche die Hügel wie Lava bedeckten und herabrollten. Ge­genüber war der Köchin Toilette, ein ausgespannter Ha­senbalg, ein abgekehrter Besen, eine zerbrochene Feuerzange und viele dergleichen schöne Sachen mehr.

Leider findet man in vielen Küchen ein dergleichen Quodlibet, und doch hört man immer rufen: Kochin, sey sie nur recht reinlich! Wir lieben das sehr; aber wie soll sich in obigem Falle die Köchin benehmen? da sie wenig Raum für ihr Geschäft in der Küche hat; auch muß sie überdies noch den Nebendienstboten nachräumen, welches letztere sehr bequem finden, und wenn sich selbige auch darüber nachdrücklich beschwert, so findet sie doch kein Gehör.
Auf Befragen der Köchin, warum dies Wesen und die Forderungen? war die Antwort, sie dürfe nichts mehr darüber sagen, die Herrschaft wolle es so haben. Fast scheint es, als ob die Köchin in ihrer Erzählung übertriebe, oder war sie des Dienens satt, und vielleicht durch die erwähnten Begebenheiten verdrüßlich gemacht worden. Denn es ist doch beinahe unglaublich, daß sich die Herrschaften, groß und klein, so wenig um ihr Hauswesen bekümmern sollten! Lobenswerth ist es, wenn die Frau vom Hause, im Gefühl ihrer Kochkenntnisse und Einsichten des Hauswesens, bei dergleichen um sich greifenden Unordnungen, ein Machtwort sprechen kann, dadurch bekommen die Sachen eine andere Wendung, Hausstreit und Klatscherei wird vermieden, und Ordnung tritt wieder an dessen Stelle.
Wer übrigens gut essen will, muß zur bestimmten Zeit essen, und mit den theuern, mühsam zubereiteten Speisen nicht auf sich warten lassen, sondern man muß eigentlich auf die Speisen warten, wenn man sie gut verlangt, denn jede warme Speise, wenn sie ihre Vollkommenheit erreicht hat, muß sogleich genossen werden, sonst erhält man selbige, obschon nicht verdorben, doch nicht mehr so gut, als da, wenn sie fertig ist, und entsteht vielleicht Tadel, so verliert der Koch oder die Köchin allen Muth für dieses beschwerliche Fach.
Doch ist es eine gute, auch böse Sache, daß die meisten Menschen nicht verstehen was sie essen, und wie es eigentlich seyn sollte und könnte.
Derjenige, welcher genöthigt ist, sein Essen außer dem Hause holen zu lassen, sehe darauf, daß selbiges sehr langsam und mit Bedacht erwärmt werde, da das Aufwärmen oft schwieriger ist, als das Kochen selbst.

Es ist schlüßlich mein größter Wunsch, daß man recht fleißig in folgenden Bemerkungen, so wie überhaupt im ganzen Buche lesen möge, doch nicht so flüchtig, wie es häufig geschieht, sondern mit Bedacht, damit man sich alle die Sachen sogleich denkt, wie ich durchaus wünsche verstanden zu werden.

Recht sehr wird es mich freuen, wenn ich hören werde, daß man gerne in diesem Buche liest, und von Jedermann mit Nutzen in den Küchen gebraucht wird.
Und nun zur folgenden Sache! (*)
Der Verfasser.

(*) Soll heißen: „Und nun weiter im Text mit den Rezepten usw.“

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