Omas Jahre

1802 – Steckbrieflich gesucht wird Dr. Wilhelm Hasselfeld

Mit dieser Zeitungsanzeige aus dem Jahre 1802 ersuchte ein um ein beträchtliches Vermögen geschädigter Gutseigentümer öffentlich um Hilfe und Unterstützung, einen diebischen Angestellten zu arrestieren, den er als Hauslehrer seines Sohnes beschäftigte und ihm großes Vertrauen schenkte, welches dieser grob missbrauchte.

 

Justiz- und Polizey-Sachen


“Steckbrief hinter Dr. Wilhelm Hassenkamp”

Ein Mensch aus Laufenfelden, Rheinfelsischen gebürtig, Namens Wilhelm Hassenkamp, eines daselbst gewesenen Predigers Sohn / welcher sich der Theologie gewidmet, dabey den Gradum eines Doctoris und Magistri Philosophiae erlangt hat, bey mir ins 7te Jahr als Lehrer und Führer meines Sohnes in Dienst-Verhältniß gestanden, mit letzterem beynahe 2 ½ Jahr England und Frankreich bereiset hat, hat mein in verschiedener Rücksicht auf ihn gesetztes großes Vertrauen dergestalt gemißbraucht, daß er bey Gelegenheit einer ihm vor ohngefähr 4 Wochen anvertrauten Capital-Summe von 5070 Friedrichs’dor, welche er von meinem in der Grafschaft Ravensberg belegenen Gute Werther, an einen, nur eine Meile davon wohnenden Beamten abliefern und auszahlen sollte, mit dieser Summe, statt solche an den Bestimmungsort zu bringen, diebischerweise entwendet, und mit selbiger, nebst einem Reitpferd, Sattel und Zeug, unter Zurücklassung seiner schwangern Frau und eines Knaben von 4 Jahren, sich auf flüchtige Füße gesetzt hat.

Nach den von seiner Flucht vorläufig eingegangenen zuverlässigen Nachrichten, ist er über Münster gegangen, hat daselbst eine Nacht unter dem angenommenen Namen Biron bey dem Gastwirth Nölke logiert, und am folgenden Morgen seine Reise mit einer besondern Fuhre nach Duisburg weiter fortgesetzt.
Bis jetzt hat er sich noch in der Gegend von Elberfeld herumgetrieben, weil er sich wahrscheinlich nicht getrauet, über den Rhein zu gehen, ist aber am 18ten dieses zu Elberfeld gewesen, hat daselbst eilends zu Mittage gegessen, und ist daraus mit einer Gelegenheit nach Schwelm gefahren, unter dem Vorgeben, nach Cassel zu wollen.
Vielleicht, daß er auch jetzt gesonnen, entweder durchs Reich ins Oesterreichische oder aber über Hamburg nach den Nordischen Gegenden zu gehen.
An Habhaftigkeit dieses Bösewichts ist mir äußerst gelegen.

Alle und jede Ortsobrigkeiten und Befehlshaber werden daher hierdurch angelegentlichst und ganz ergebenst zur Hülfe Rechtens ersucht, auf gedachten unten genau beschriebenen Menschen ein wachsames Auge zu haben, denselben auf den Betretungsfall gefänglich einziehen, die bey ihm vorgefundenen Gelder, Wechsel und sonstige Papiere in gerichtliche Verwahrung nehmen, und so nach hiervon gefällige Nachricht anhero gelangen zu lassen, damit wegen dessen Auslieferung von hier aus, gegen die gewöhnlichen Reversales und Erstattung der Kosten, das weitere verfügt werden könne.

Ueberdieß werden aber auch demjenigen, der sich zuerst seiner Person bemächtiget, und das noch bey ihm vorräthige Geld in Sicherheit bringt, eine Belohnung von Ein Hundert Stück Pistolen hiermit ausgesetzt, welche ihm sofort ausgezahlt werden sollen.

 

Signalment

Obgedachter Mensch ist 30 Jahr alt, 5 Fuß 9 bis 10 Zoll groß, von starkem Körperbau. Er hat dünnes kurz abgeschnittenes dunkelbraunes Haar, eine breite Stirn, starke dunkele Augenbrauen, große blaue Augen, eine dicke gebogene Nase, worauf einige Blatternarben zu sehen sind, einen mittelmäßig großen Mund, den er beym Sprechen nach einer Seite hin verzerrt, sehr weiße Zähne, einen starken Bart nebst einem Backenbarte; ferner hat er noch große rothe Hände, dünne Waden und Füße von einer ungewöhnlichen Länge.
Seine Sprache ist langsam, schleppend und durch die Nase, sein Blick fast beständig auf die Erde geheftet.
Er trug bey seiner Entweichung einen feinen gelblichen Ueberrock, lange, weite blaue Beinkleider, neumodige Stiefel, einen runden Hut mit einem schmalen Rande, ein Oberhemd von Batist ohne Jabot, durch zwey goldene Tuchnadeln zusammen gestochen, und ein weißes Halstuch. Außerdem führt er noch einen dunkelgrünen Mantel von Tuch mit schwarzem Sammet besetzt bey sich, eine silberne Taschenuhr ohne Glas, einen Degen-Stock und ein paar Stiefelzieher.


Preußisch Minden, den 30. Oktober 1802
von Nordenpflecht
Königlich Preußischer Kriegs- und Domainen-Rath

 

Wir danken “Peter Pan” für diesen Artikel.


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